Chicago bulls: der radikale umbruch – ist das ende von akme gekommen?

Chicago, Illinois – Die Chicago Bulls haben einen radikalen Schnitt gemacht. Nach sechs Jahren voller verpasster Chancen und enttäuschter Erwartungen wurde das Front Office um Arturas Karnisovas und Marc Eversley entlassen. Ein Neustart steht bevor, doch die Frage, ob dieser wirklich die Probleme des Teams löst, bleibt offen.

Die bilanz der ära "akme": mittelmaß und verpasste gelegenheiten

Die Ära „AKME“ ging in Chicago mit einem bitteren Nachgeschmack zu Ende. Sechs Jahre, in denen die Bulls stets zwischen Playoff-Ambitionen und Play-In-Turnieren pendelten – ein trauriger Beweis für fehlende Konstanz und strategische Weitsicht. Michael Reinsdorf, der Besitzer des Teams, sprach von der Verantwortung, eine neue Richtung einzuschlagen. 31 Siege, 46 Niederlagen, 40, 39, 39 und in dieser Saison bislang 29 – die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Bulls verpassten es, sich als ernstzunehmender Konkurrent in der Eastern Conference zu etablieren. Die Playoff-Auftritte endeten stets abrupt (1-4 gegen Milwaukee), und die Play-In-Turniere waren bestenfalls ein Trostpreis. Es ist bemerkenswert, dass die Bulls trotz ihrer vermeintlichen Ambitionen nie den Weg des Tankings einschlugen, doch die Entscheidungen, die getroffen wurden, sind oft kritisiert worden.

Ein besonders fragwürdiger Schachzug war die Wahl von Patrick Williams mit dem vierten Pick im Draft 2020. Williams erfüllte die Erwartungen nie vollständig, erhielt aber dennoch einen neuen Fünfjahresvertrag. Karnisovas’ Glaube an seine Entwicklung wirkte angesichts der Leistungen des Spielers oftmals wie ein frommer Wunsch.

Der vucevic-trade: ein teurer fehler?

Der vucevic-trade: ein teurer fehler?

Der Trade für Nikola Vucevic wenige Monate später war ein weiterer Fehltritt. Gemeinsam mit Zach LaVine sollte Vucevic eine neue „Big Three“ bilden – eine ambitionierte Idee, die jedoch in der Realität scheiterte. Dafür wurde Wendell Carter Jr., ein talentierter Center, abgegeben, und Orlando wurde zudem mit zwei Erstrundenpicks belohnt. Einer dieser Picks landete in den Händen der Orlando Magic und wurde für Franz Wagner genutzt – ein bitteres Beispiel für verfehlte Prioritäten.

Die Verpflichtung von Lonzo Ball im Sommer schien zunächst ein Coup zu sein, ebenso wie die günstige Verpflichtung von Alex Caruso von den Los Angeles Lakers. Doch die Addition von DeMar DeRozan, einem alternden Star, erwies sich als fragwürdig. Dafür musste unter anderem der aufstrebende Lauri Markkanen abgegeben werden, der mittlerweile zu einem wichtigen Bestandteil der Utah Jazz geworden ist.

Die Bulls warfen in dieser Phase schnell ihre Karten auf den Tisch, obwohl viele Experten an der Erfolgsaussicht dieses Teams zweifelten. Der vielversprechende Start der Saison, an dem die Bulls die Spitze der Eastern Conference erreichten, wurde jäh durch Ball’s schwere Verletzung beendet, die ihn für zwei Saisons außer Gefecht setzte.

Vertragsfallen und verpasste gelegenheiten

Vertragsfallen und verpasste gelegenheiten

Die Bulls hielten zu lange an ihrem Kern fest, ein Umstand, der sich wie ein roter Faden durch die vergangenen Jahre zog. Hochdotierte Verträge für LaVine und Vucevic wurden zu einer Wachstumsbremse. Die Bulls jagten Jahr für Jahr das Play-In, anstatt ihre wertvollen Spieler zum höchstmöglichen Preis abzugeben.

Beispiele hierfür sind Caruso, Coby White oder Ayo Dosunmu, für die die Bulls nie einen Erstrundenpick bekamen. Caruso wechselte lediglich gegen Josh Giddey, ein Tausch, der womöglich zu einem ungünstigeren Zeitpunkt hätte vollzogen werden können. Ähnliches gilt für White und Dosunmu, die erst kurz vor Vertragsablauf getradet wurden.

Zudem verlängerten die Bulls Veteranen, die in anderen Teams deutlich mehr Gehalt erhalten hätten. Der Maximalvertrag für LaVine und die Vertragsverlängerung für den damals 33-jährigen Vucevic waren fragwürdige Entscheidungen, gegen wen die Bulls genau konkurrierten, blieb unklar.

Die frage nach der verantwortung

Die frage nach der verantwortung

Die Bulls verpassten stets den richtigen Moment für eine Trennung und schadeten sich dadurch immer wieder. Doch die entscheidende Frage ist: Waren diese Entscheidungen ausschließlich das Werk von Karnisovas und Eversley? Die Reinsdorfs sind bekannt dafür, dass finanzielle Aspekte eine entscheidende Rolle spielen. Eine Playoff-Teilnahme genügt oft, um das United Center zu füllen und das Jahr mit Gewinn abzuschließen.

Ein ungewisser blick in die zukunft

Ein ungewisser blick in die zukunft

Reinsdorf verspricht nun, ein Team aufzubauen, das auf höchstem Niveau mithalten und um eine Meisterschaft spielen kann. Doch der Weg dorthin wird lang und steinig sein. Die Bulls werden im Sommer viel Capspace für Free Agents haben, gleichzeitig aber auch wenig Spieler für die Zukunft. Matas Buzelis und Josh Giddey bilden derzeit das Grundgerüst, doch vieles bleibt unklar. Auch die Zukunft von Coach Billy Donovan, der mit diversen College-Teams in Verbindung gebracht wurde, ist ungewiss.

Es bleibt ein chaotisches Bild am Lake Michigan. Es wird vermutlich einige Zeit dauern, bis die Chicago Bulls wieder relevant sind – für eine der ikonischsten Franchises der NBA mit einer treuen Fanbase ist das jedoch schlichtweg inakzeptabel. Die Bulls stehen vor einem Neuanfang, der von strategischer Weitsicht und klugen Entscheidungen geprägt sein muss, um die enttäuschenden Jahre hinter sich zu lassen.