Chemnitz und weißenfels: pokal-flüge statt liga-klammer

Die Niners Chemnitz reisen als Außenseiter nach Ljubljana – und genau das macht sie gefährlich. Nach dem 69:81-Debakel in Würzburg droht der Bundesliga-Saison die Kontrolle zu entgleiten, doch im EuroCup läuft plötzlich alles glatt. Kostja Mushidi lacht wieder, Nike Sibande ist zurück aus dem Kairo-Flughafen-Drama, und Rodrigo Pastore kann endlich zehn Mann rotation, statt zu improvisieren.

Mushidi: „wir haben nichts zu verlieren“

Der 27-Jährige, vor zwei Jahren noch zwischen Depression und Drogen-Vorwürfen zerbrochen, hat sich zum Anführer gemausert. Gegen Würzburg warf er 18 Punkte, jetzt fordert er von seinen Mitspielern, „einfach Basketball zu spielen, statt Taschenrechner zu schwingen“. Die Olimpija-Arena brennt zwar für Green-White, aber genau das entlastet Chemnitz: Keiner erwartet den Knockout.

Parallel zittert der Syntainics MBC in Weißenfels um das eigene Selbstbild. 13 Liga-Niederlagen in Serie, dafür 5 Siege in der ENBL-Gruppenphase – die Kluft ist so groß wie die Elbe bei Hochwasser. Gegen Olmütz fehlt dem Gegner Topscorer Jaren Holmes (Knie), Spielmacher Kobe Elvis ist abgereist – ein Geschenk, das Trainer Milenko Bogocevic nicht ausschlagen will.

Geissler schreibt, callison schwört

Geissler schreibt, callison schwört

Martin Geissler, Geschäftsführer und MBC-Aktionär, schickte am Dienstag einen offenen Brief an die Fans: „13 Niederlagen treffen jeden von uns. Aber die Tabelle lügt nicht: Unsere Lage ist nicht aussichtslos.“ Kapitän Charles Callison wiederholte den Satz im Kreis, bevor die Mannschaft in die Halle ging. Die Botschaft: Heute Abend zählt nicht der Tabellenstand, sondern wer zuerst 75 Punkte macht.

Für Chemnitz winkt bei einem Sieg das Viertelfinale gegen Virtus Bologna oder Hapoel Tel Aviv – ein Schritt Richtung erneutes europäisches Halbfinale. Für Weißenfels geht es ums Überleben im eigenen Haus. Die Tickets kosten zehn Euro, das Bier kommt aus der Region – und die Spannung ist geschenkt. Pokal-Abende sind wie Kurzurlaub: kurz, intensiv, unberechenbar. Liga-Klammer adé.