Chelsea stolpert in historische tiefpunkt-serie: 0:3 bei everton lässt rosenior verzweifeln

Premier-League-Rekord oder nicht – Chelsea hat sich gerade selbst Geschichte geschrieben, die niemand bestellen wollte. 0:3 beim Nachbarn Everton, vierte Niederlage in Folge, erstmals wieder seit 1993. Liam Rosenior sprach nach Abpfiff von seinem „enttäuschendsten Abend“, doch die Worte klangen wie ein Euphemismus angesichts eines Teams, das sich selbst nicht mehr erkennt.

Rosenior zählt punkte, fans zählen tore – und beide kommen zu kurz

Der Coach versuchte, die Kirche im Dorf zu lassen: „Wir liegen seit meiner Amtsnahme auf Platz vier“ – eine statistische Halbwahrheit, die in der Kurve nur müde Lacher erntete. Denn die Tabelle lügt nicht, aber sie erzählt auch nicht die ganze Geschichte. Seit Rosenior das Zepter übernahm, holte Chelsea gerade mal 17 Zähler aus zehn Spielen, kassierte zwölf Gegentore in den letzten vier Partien und stolperte aus dem Champions-League-Rennen. Die Fans sangen im Goodison-Park nicht mehr lange, sie pfeifen inzwischen gegen die eigene Klubspitze.

Die Probleme sind nicht neu, nur schärfer geworden. Ballverluste im Aufbauspiel, ein Mittelfeld ohne Biss, eine Anfangsphase, die Rosenior selbst als „nervös“ bezeichnete – ein Wort, das wie ein Freifahrtsschein für Everton klingt. Abdoulaye Doucouré & Co. brauchten keine großen Kunststücke, nur Geduld, bis Chelsea sich selbst entblößte.

Länderspielpause als rettungsanker – oder als pulverfass

Länderspielpause als rettungsanker – oder als pulverfass

Die kommende Unterbrechung kommt „zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Rosenior. Für wen genau? Für die Spieler, die nach internationalen Reisen zurückkehren und sofort Manchester City, Manchester United und Brighton erwarten? Für den Sportdirektor, der im Sommer womöglich wieder den Reset-Knopf drückt? Oder für die Fans, die ihre Karten auf dem Sekundärmarkt verscherbeln, weil sie keine Lust auf das nächste Debakel haben?

Die Wahrheit ist: Chelsea hat kein Zeitproblem, sondern ein Identitätsproblem. Die Taktik wechselt von Spieltag zu Spieltag, die Personalplanung wirkt wie ein Puzzle ohne Referenzbild. Ein Club, der einst für Stabilität stand, ist zum Selbstläufer degradiert – und das in einer Saison, in der selbst Aston Villa und Newcastle ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Nach dem Abpfiff standen die Chelsea-Profi auf dem Rasen, applaudierten den mitgereisten Fans, die geblieben waren. Es war ein Bild der Apathie. Keiner schrie, keiner schlug die Hände über den Kopf zusammen. Sie wirkten wie Gäste auf ihrer eigenen Beerdigung. Rosenior sprach von „neu starten“, doch der Begriff verpufft, wenn man weiß, dass der Kalender nach der Pause kein Geschenk bereithält.

Die CFC-Führung wird die Pause nutzen, um interne Evaluierungen anzustellen – ein Wort, das in Klubkreisen mittlerweile Angst einjagt. Denn Evaluierung kann bedeuten: Trainer behalten, Kader umbauen, oder doch wieder von vorn. Die Konkurrenz schläft nicht, Everton ist auf zwei Punkte heran, der Abstand zur Champions League beträgt trotz allem nur einen Zähler. Doch die Zahlen lügen nicht: Wer in vier Spielen nur ein Tor schießt und zwölf kassiert, der spielt keine European League, sondern Russisches Roulette.

Chelsea muss sich entscheiden: entweder die Pause als Kraftort nutzen – oder als letzte Ruhe vor dem Sturm. Die Fans haben sich längst entschieden: Sie werden im April wieder ins Stadion strömen, aber diesmal nicht aus Leidenschaft, sondern aus Pflicht. Die Leidenschaft haben sie im Goodison-Park zurückgelassen, zusammen mit den letzten Illusionen auf eine Saison, die eigentlich nach vorne gehen sollte.