Chabbey rauscht nach siena – longo borghini verpasst podest um sekundenbruchteil

Elise Chabbey hat Geschichte geschrieben. Die 32-jährige Schweizerin sprintete sich auf dem staubigen Katzensprung in die Piazza del Campo beim 12. Strade Bianche Donne zum ersten Sieg ihrer Heimat in der Weißen Hölle der Toskana. Dahinter: Kasia Niewiadoma und Franziska Koch. Elisa Longo Borghini, Italiens Tricolor, wurde nur Vierte – ein Ergebnis, das sich beim Blick aufs Zielprotokoll wie ein Tiefschlag liest.

Longo borghinis attacke endet im steinigen untergrund

Die Favoritin hatte alles auf eine Karte gesetzt. Bei Kilometer 110, kurz nach dem Anstieg nach Murlo, zog sie durch. 47 Sekunden Vorsprung auf dem weißen Kies, Asphalt unter den Reifen, das Rauschen der Menschenmenge in den Ohren. Doch die Rechnung ging nicht auf. Die Verfolgergruppe um Chabbey, Niewiadoma und Koch schloss auf, stellte sich in den Windschatten der alten Stadtmauer und überholte Longo Borghini 350 Meter vor dem Ziel. Die Italienerin sackte zusammen, schob sich noch über die Linie, verpasste das Podium um 1,3 Sekunden.

Die Rennleitung bestätigte: Es war die schnellste Frauen-Ausgabe aller Zeiten. 136 Kilometer in 3:40:12 Stunden – das ergibt einen Schnitt von 36,9 km/h. Rekord. Die befürchtete Hitze blieb aus, dafür herrschte auf den letzten 30 Kilometern ein Südwestwind mit Böen um 40 km/h. Wer hier attackierte, verbrannte Matches. Wer wartete, wurde belohnt. Chabbey wartete.

Fehlnavigation kostet vollering und ferrand-prevot zehn minuten

Fehlnavigation kostet vollering und ferrand-prevot zehn minuten

Hinten heraus passierte das, was Profis Alptraum nennen. Demi Vollering und Pauline Ferrand-Prevot, bereits nach Sturz und Defekt in Rückstand geraten, nahmen bei San Gimignano eine falsche Abzweigung. Erst nach 1,8 Kilometern bemerkten sie den Irrtum. Zeitverlust: 9:42 Minuten. Aus Rennziel wurde Ehrenrunde. Beide fuhren trotzdem weiter, quälten sich ins Ziel, um Punkte für die WorldTour-Wertung zu retten. Das Bild der Deutschen Koch, die sich mit silberner Medaille und Tränen in den Augen in Siena auf die Betonmauer setzte, zeigt die Brutalität des Sports: Wer zweimal kurz schlafen muss, verliert Jahre harte Arbeit.

Die Schweiz feiert, Polen und Deutschland jubeln mit, Italien schluckt. Für Longo Borghini bleibt die Erkenntnis: In Siena zählt nicht nur Kraft, sondern auch Timing. Ihr nächster Anlauf: die Ronde van Vlaanderen in drei Wochen. Dort ist die Kies-Piste kürzer, die Abfahrt rasanter – und die Konkurrenz gnadenloser.