Cervelli schreibt baseball-geschichte: venezolaner führt italien ins wbc-halbfinale

Zwei Wochen hat er kaum ein Auge zugetan, jetzt steht Francisco Cervelli vor dem größten Spiel seiner zweiten Karriere: Heute Nacht treffen seine Azzurri im World Baseball Classic auf Venezuela – das Land, das ihn einst zum Helden erkor und ihn danach als Verräter beschimpfte.

Die Kurve ist atemberaubend. 2009 lehnte der damalige Yankees-Catcher ein Engagement für Venezuela ab und schlüpfte stattdessen in das blaue Trikot von Italien. Grund: ein schwarz-weißes Foto von Roberto Baggio, das sein Vater Emanuele aus Bitonto mit nach Valencia genommen hatte. „Für mich war Italien schon immer Sehnsucht, keine Nationalität“, sagt Cervelli, 40, der als Kind in Caracas zwischen Baseball-Feldern und Calle-Soccer aufwuchs.

Der nachtfrost von guadalajara ist vergangenheit

In der Vorgabe-Gruppe 2017 pfiffen ihm 20.000 Venezolaner im Estadio Charros jedes Mal ins Gesicht, wenn er zum Schlag trat. Nach dem 2:11 feierte Twitter Hashtags wie #TraidorCervelli. Heute schreibt derselbe Mann Geschichte: Erste italienische Halbfinale-Qualifikation überhaupt, 8:6 gegen Puerto Rico, vorher 7-5 gegen USA. „Als wir die Yankees der Welt schlugen, war klar: Wir können jeden schlagen“, sagt er mit der Stimme eines Mannes, der seit 14 Tagen nur mit Espresso und Adrenalin lebt.

Die Zahlen sind leise, aber laut genug: Team ERA 2,81, Team AVG ,296, dazu 15 Stolen Bases – Italien lag vor dem Turnier außerhalb der Top 10 der WBSC-Weltrangliste. Trotzdem spielen die Azzurri nun wie ein Club, der seit Jahren zusammen ist. Cervellis Erklärung: „Wir haben keine Superstars, wir haben Charaktere.“

Eleganz als erfolgsrezept

Eleganz als erfolgsrezept

Im Dugout kocht ein Espressokocher, die Spieler tragen Seidentücher statt Schweißbänder. Cervelli übernahm den Dress-Code von Joe Torre in New York: „Wenn du gut aussiehst, fühlst du dich gut – und fühlst dich unbesiegbar.“ Beleg: Vinnie Pasquantino stahl in einem kritischen 4. Inning die Base – auf eigene Faust. „Er fragte, ich sagte: ‚Nur wenn du safe bist.‘ Er war safe. Intelligenz schlägt Speed.“

Rom jubelt quer durchs Parlament. Als Giorgia Meloni den Sieg gegen Puerto Rico erwähnte, applaudierten Regierungs- und Oppositionsbanken gemeinsam. Cervelli: „Baseball dauert drei Stunden, aber für 27 Out sind wir alle gleich – egal ob Abgeordneter oder Shortstop.“

Nach dem Turnier warten Anrufe aus MLB – einige Klubs suchen einen Manager, der Spieler versteht, statt sie zu verbiegen. Cervelli blockiert die Nummern. „Erst wollen wir Europameister werden, dann Olympia 2028. Der Classic ist nur ein Checkpoint.“

Venezuela ist gewarnt: Im LoanDepot Park von Miami wird heute nicht nur ein Halbfinale ausgetragen, sondern ein Glaubenskrieg. Auf der einen Seite Ronald Acuña Jr. und Luis Arráez, auf der anderen Azzurri, die gelernt haben, dass Herkunft nur eine Postleitzahl ist. Cervellis Fazit: „Wir sind nicht Favorit, aber wir sind auch nicht mehr dieselben, die vor drei Wochen einflogen. Und das weiß Caracas ganz genau.“