Celta ruft die gläubigen: 4 tore gegen freiburg oder aus
Claudio Giráldez will sie alle unter einem Dach: die Gläubigen. Keine Zweifler, keine Rechenkünstler. „Kommt nur, wenn ihr dran glaubt“, sagte der Celta-Coach nach dem 0:3 in Freiburg – und Balaídos antwortete mit einem Komplett-Ausverkauf binnen vier Stunden. 23.642 Tickets weg, Montagnachmittag, kurz nach dem nächsten Tiefschlag gegen Real Oviedo. Die Stadt atmet Erinnerungen an jene Manchester-United-Nacht von 2017, doch diesmal steht eine andere Zahl im Raum: vier Treffer, sonst Europa-League-Endstation.
Die mauer muss vor dem ersten pfiff brüllen
Die Kabine fordert einen Anpfiff, der schon beim Warmmachen kocht. „Wir wollen das erste Tor von der Tribüne“, sagte Iago Aspas in der Mixed-Zone, und seine Stimme klang so rau wie die letzten beiden Spiele müde wirkten. Gegen Oviedo plätscherte Ballstafette, gegen Freiburg fehlte jede letzte Pass-Schneide. Jetzt droht dieselbe Last, die Giráldez in den vergangenen Wochen wie Beton in den Knöcheln seiner Spieler wachsen sah. Verantwortungsdruck statt Spielfreude – eine Mischung, die in Vigo Historie schrieb, aber auch schon Historie verspielte.
Die Statistik ist gnadenhaft: Kein spanischer Klub drehte jemals ein 0:3 im Europapokal weiter, ohne Auswärtstor. Die Chancen? 6,5 Prozent liefert das CIES-Modell, doch Celta kennt diese Spiele. 2004 besiegt FK Moskau 3:0 nach 0:3, 2017 schlägt Zenit 4:3 nach 0:3-Hinspiel. Beide Male Balaídos als Kessel, beide Male frühes Tor. Deshalb startet Abraham Cupeiro schon 19:30 Uhr seine Galician Bagpipes, Trompeten aus Kupfer, ein Marsch, der die Nackenhaare nach oben treibt. Die Spieler, damals Kids auf der Tribüne, sollen das Bild ihrer Kindheit aufs Feld tragen – statt der Last der Erwartung.

Ein sieg würde das beste celta-jahrzehnt krönen
Doch selbst wenn das Wunder scheitert, bleibt eine Tatsache, die Trainer und Kapitän in jeder Pressekonferenz spucken: Platz sechs in LaLiga, Viertelfinale der Europa League – kein Vigo-Fan hätte das im August unterschrieben. Die Saison ist längst „notabel“, wie Giráldez sagt. Nur will niemand sie mit einem sentimentalen Abpfiff beenden. „Wir haben nichts zu verlieren, nur etwas zu erzwingen“, erklärt Aspas. Und so steht Balaídos am Donnerstag nicht nur für eine Fußballpartie, sondern für einen Glauben, der in Galicien schon größer war als jede Tabellen-Mathematik.
Erst das Tor, dann das zweite, dann das dritte – und vielleicht, ganz vielleicht, das vierte in der Nachspielzeit. Die Rechnung ist simpel, der Weg ist es nicht. Aber wenn die Trompeten verstummen und der Ball rollt, zählt nur noch eins: Wer traut sich, die Lücke zwischen Hoffnung und Geschichte mit einem Schuss zu schließen? Celta hat 90 Minuten, um es herauszufinden. Keine Sekunde mehr.
