Cavor verlässt wetzlar nach zehn jahren – ljubljana lockt mit champions league

Die HSG Wetzlar muss sich im Abstiegskampf der Handball-Bundesliga plötzlich ohne ihren Rekord-Torjäger bewegen. Stefan Cavor zieht es nach 998 Toren in 276 Spielen zum slowenischen Meister RD Slovan Ljubljana – und das, obwohl er sich monatelang eine Fortsetzung in Hessen ausgemalt hatte.

Die Bombe platzte am Mittwoch, während Cavor mit Montenegro in der WM-Qualifikation unterwegs ist. „Das ist eine sehr schwere Entscheidung gewesen“, sagte der 31-jährige Rückraumspieler. „Ich habe lange gedacht, es geht weiter für mich in Wetzlar. Aber so ist das Leben im Profisport.“ Ljubljana bietet das, was Wetzlar derzeit nicht liefern kann: internationale Bühnenluft. Champions League. Ein neues Kapitel, das bis 2028 unterschrieben ist.

Abstiegskampf trifft auf identitätsverlust

Für die HSG kommt der Abgang doppelt pünktlich. Die Mannschaft steht auf einem direkten Abstiegsplatz, die Stimmung ist angespannt, und nun verliert sie auch noch ihre Leitfigur. Cavor war mehr als nur ein Treffer-Garant – er war das Gesicht des Klubs, Anlaufstelle für Fans, Medien, Sponsoren. Wer wird jetzt die Klinke in die Hand nehmen, wenn es um mehr als zwei Punkte geht?

Die Verantwortlichen um Geschäftsführer Marcus von Hövel sprechen von „Verständnis“ und „großem Respekt“. Intern brodelt es trotzdem. Einige Teamkollegen erfuhren erst via Social Media vom Weggang. Die Kabine ist irritiert. Die Frage nach der sportlichen Leitung drängt sich auf, denn Cavor war auch Stillgestalter im Spielaufbau. Seine Erfahrung fehlt sofort, seine Tore wohl für immer.

Montenegro, finnland, slowenien – cavors drei-länder-sprint

Montenegro, finnland, slowenien – cavors drei-länder-sprint

Während Wetzlar Umstrukturierungspläne schmiedet, jagt Cavor mit Montenegro den WM-Ticket. Heute (17.30 Uhr) in Vantaa gegen Finnland, Sonntag (18 Uhr) Rückspiel in Podgorica. Gewinnen die Montenegriner, warten die Slowenen – genau jene, die Cavor ab Sommer mit offenen Armen empfangen. Ironie der Sportwelt: Er könnte sich in der Qualifikation gegen seinen künftigen Klub-Partnerverbandsstaar durchsetzen.

Die Zahl 998 bleibt stehen. Kein HSG-Spieler wird sie in absehbarer Zeit knacken. Cavor selbst lacht über die Marke: „Tore sind schön, aber Erinnerungen bleiben.“ Eine Erinnerung wird nun auch die unausgesprochene Gewissheit, dass Wetzlar ohne ihn erst mal tiefer in die Krise rutschen kann. Die Saison ist gerettet oder gescheitert – ohne ihrem Montenegriner, der einmal als Zukunft galt und jetzt die Vergangenheit ist.