Caruso stürmt die rampe, consonni lässt sich mit eis versorgen – movistar verpatzt tag
Der Giro geht in die Schlussphase, und wieder zeigt sich: Es sind die Details, die Geschichte schreiben. Auf der 18. Etappe von Fiera di Primiero nach Bergamo donnerte Damiano Caruso davon, als wolle er die Woche des italienischen Sports komplettieren. Hinter ihm passierte etwas, das man in diesem Rennen selten sieht: Movistar schaltete sich selbst aus.
Eis statt druck: wie consonni die taschen vollbekam
Während der 34-Jährige auf dem Zielgerade in Bergamo jubelte, stand Simone Consonni am Straßenrand und ließ sich von einem befreundeten Zuschauer eine Tüte Ghiaccioli reichen. Kinderjubel, rosa Ballons, ein Selfie mit Legende Gianni Motta – alles fehlte nur noch der Eiswagen. Aber genau diese Bilder machen den Giro unverwechselbar. Zwischen Casto, wo überall Sonny Colbrelli grinst, und Brozzo, wo der Kindergarten in Rosa erstrahlt, wird Fahrradfahren zur Volksfestoper.
Lo que nadie cuenta es: Consonni hatte vor zwei Tagen noch Fieber. Heute lacht er, steckt sich ein Eis in den Mund und wartet darauf, dass die Helfer die letzten Flaschen einsammeln. Kein Druck, nur Sommer.

Movistar verspielt sich selbst
Während auf der Flucht der Regen prasselt, scheint auf dem Feld – sieben Minuten und 32 Sekunden dahinter – die Sonne. Doch die Sonne täuscht. Movistar, sonst Meister der Hinterhalte, patzte an diesem Tag kollektiv. Ein zu spätes Tempo, ein verpasstes Wasser, dann ein Sturz in der letzten Rampe. Enric Mas verlor 48 Sekunden, Richard Carapaz schimpfte ins Funkgerät. Die Mannschaft, die immer alles plant, hatte diesmal nichts unter Kontrolle.
Am Straßenrand stand Ernesto Colnago persönlich, nicht die Räder, der Mann. Er schüttelte nur den Kopf. „Manchmal verliert man, bevor man startet“, murmelte er und wandte sich ab. Dahinter eine Kurve voller dänischer Fans, sogar der Weihnachtsmann war dabei. Der Giro nimmt keine Gefangenen.

Bergamo wartet schon
Die Stadt in den Hügeln empfängt die Fahrer mit 34 Grad im Schatten. Ein DJ-Set in Gardone, eine Giraffe aus Luftballons und die Familie Frapporti, die das Peloton mit Tränen und Applaus verabschiedet. Für sie ist der Giro vorbei. Für Caruso, für Consonni und für alle, die noch kämpfen, geht es morgen weiter Richtung Rom. Die Rampe von Bergamo war nur ein Vorgeschmack.
Am Ende zählt nicht das Eis in der Hand, sondern die Lücke auf der Uhr. Und die Lücke, die Movistar heute geschaffen hat, wird schwer zu schließen sein.
