Carolina marín beendet karriere: „ich habe bis zur letzten sekunde gekämpft“

Die Sonne brennt auf die Dachterrasse des Growers Hotel Boutique in Huelva, doch Carolina Marín lächelt. Gerade noch hätte sie hier, wo das Europäische Meisterschafts-Fieber tobt, selbst aufgeschlagen. Stattdessen erklärt die 31-jährige Olympiasiegerin, warum ihre Entscheidung zum Rücktritt trotzdem die einzig richtige ist.

„Ich wollte auf dem platz abschied nehmen – der körper sagte nein“

Die rechte Kniekehle erinnert sie jeden Morgen daran, dass Badminton kein Ponyhof ist. Drei Kreuzbandrisse, vier Operationen, unzählige Stunden mit Blut-Absperrbändern am Oberschenkel. „Ich habe bis zur letzten Minute versucht, wieder fit zu werden“, sagt Marín und schaut Richtung Palacio de los Deportes, der seit 2016 ihren Namen trägt. „Aber irgendwann musste ich einsehen: Es reicht.“

Die Wende kam in Paris. Kein Finale, kein Medaillenduell – nur ein lauter Knall im linken Bein. „Da habe ich mein Ende gesehen“, erinnert sie sich. „Auf dem Platz, in der Hitze des Geschehens, dachte ich: Das war’s.“ Doch selbst danach schob sie den Abschied noch einmal nach. „2026 findet in Spanien die EM statt. Ich wollte es noch einmal probieren. Aber der Knorpel war zu stark beschädigt.“

Der preis der beste: 14 jahre ohne kommunion, hochzeit oder neffen-geburt

Der preis der beste: 14 jahre ohne kommunion, hochzeit oder neffen-geburt

Marín kam mit 14 nach Madrid, mit 18 gewann sie Bronze bei der WM, mit 21 Gold in Rio. Was keiner sah: Sie verpasste alle Familienfeste. „Ich habe keine Kommunion meiner Neffen miterlebt, keine Hochzeit meiner Cousine“, zählt sie auf. „Aber ich bereue nichts. Der Sport hat mir alles gegeben.“

Jetzt will sie zurück nach Huelva, zurück zur Abuela Carolina, die ihr den Kampfgeist einpflanzte. „Sie war Putzfrau, hat morgens um fünf angefangen und abends um elf aufgehört. Wenn ich mal schwach war, dachte ich an sie.“

„Keine neue carolina? dann baue ich sie selbst“

„Keine neue carolina? dann baue ich sie selbst“

Spanien fürchtet das Vakuum. Im Tennis übernahm Carlos Alcaraz das Zepter von Rafael Nadal – im Badminton sieht es mau aus. „Die Verbande haben unseren Boom verschlafen“, kritisiert Marín. „Wir brauchen Akademien, Trainerausbildung, Nachwuchsprogramme. Wenn ich mit 35 immer noch die Größte bin, ist etwas schief gelaufen.“

Ihre Lösung: eine eigene Academy in Huelva. „Ich will nicht, dass man in zwei Jahren fragt: ‚Badminton? War das nicht diese Sportart, die diese Marín gemacht hat?‘“

Fernando rivas und die „verrückten“ methoden

Fernando rivas und die „verrückten“ methoden

Ihr Mentor Fernando Rivas ließ sie jahrelang mit abgeschnürten Beinen trainieren – bis zur Apnoe. „Ich dachte, ich sterbe“, lacht sie. „Aber genau das brachte mich auf Weltniveau.“ Die Torniquets benutzt sie heute noch, „aus reiner Gewohnheit“. Auch die Blicke trainierte sie. „Ich erkenne auf der Straße sofort, ob jemand Druck hat oder lügt. Das lernt man, wenn man Wang Yihan in die Augen schaut.“

Kein loch, kein selbstmitleid – nur ein neues kapitel

Kein loch, kein selbstmitleid – nur ein neues kapitel

Viele Athleten berichten vom schwarzen Loch nach dem Karriereende. Marín wartet noch darauf. „Vielleicht kommt es nächste Woche, wenn die Huldigungen vorbei sind. Aber im Moment fühle ich nur Erleichterung.“

Ziel Nummer eins: „Ich will lernen, wieder zu verlieren – im Kartenspiel mit meinem Neffen, beim Tischtennis im Garten. Früher habe ich sogar im Training geheult, wenn ich einen Satz abgab.“

„Gewinnen heißt jetzt: glücklich sein“

„Gewinnen heißt jetzt: glücklich sein“

Die Medaillen sind im Wohnzimmer verpackt. „Rio war das Schönste, Paris das Grausamste“, sagt sie. „Aber beide gehören zu mir.“ Was bleibt, ist eine 32-jährige Frau, die mit 14 ihre Heimat verließ und mit 32 zurückkehrt – ohne Knie, aber mit einem Plan.

Sie will keine Statue, keine Straße mehr. „Wenn in zehn Jahren ein Kind in meiner Academy fragt: ‚Wer war Carolina Marín?‘, und der Trainer antwortet: ‚Eine, die uns zeigte, dass man auch aus Huelva die Welt erobern kann‘ – dann habe ich gewonnen.“