Capdevila kehrt zurück und erinnert an das geheimnis von 2010
Johannesburg liegt 8.000 Kilometer entfernt, doch am Samstag war das Fieber von 2010 wieder in Madrid spürbar. Joan Capdevila trat auf die Bühne der ADN del Deporte-Gala – und die Zeit sprang 16 Jahre zurück. Kein Aufhebens, kein Rampenlicht, nur dieses unerschütterliche Lächeln des Mannes, der den linken Flügel einer Epoche gesichert hat.
Der weltmeister ohne starallüren
Während andere mit Twitter-Beef und Selfie-Stick Aufmerksamkeit ernten, reicht Capdevila noch immer der Ball und die Erinnerung an eine Nacht am 11. Juli. 660 Minuten spielte er in Südafrika, nur Casillas, Piqué und er standen durchgehend auf dem Rasen. Doch sein Fazit klingt wie das eines Nachbarn, nicht eines Helden: „Vom Vergangenen lebt man nicht.“
Das Publikum im Teatro Goya brach in schallendes Gelächter aus, als er über den aktuellen Linksverteidiger scherzte: „Cucurella ist besser als ich.“ Kein PR-Sprecher hatte diese Zeile geschrieben, sie roch nach Kabine und Kastanienbrot statt Marketing.

Warum sein erbe heute mehr zählt als je zuvor
Die neue Generation, 26 Namen ohne Stern auf der Brust, fliegt in drei Wochen nach Nordamerika. Capdevilas Botschaft an sie: „Geht leise, geht zusammen.“ Kurz, prägnant, unangepasst. Er wählt Argentinien als Favoriten – nicht aus Sentiment, sondern aus Respekt vor dem „Gehen ohne Lärm“.
Der Pokal in der Vitrine glänzt, aber das wahre Vermächtnis des Katalanen ist einfacher: Er bewies, dass man Weltmeister werden kann, ohne sich selbst zum Weltbesterklärer aufzuschwingen. Die Trophäe wird alt, die Haltung bleibt jung. Und genau das feierte die Nacht, in der Capdevila wieder einmal der Letzte war, der das Mikrofon losließ – weil er wusste, dass die Geschichte längst für sich spricht.
