Campregher stürzt 80 meter nach dem absprung – vikersund schockt ex-star

Andrea Campregher flog noch, während sein Schicksal schon klar war. 80 Meter jenseits der Kante der Monsterbakken verlor der 24-jährige Italiener am Donnerstag die Kontrolle, sein Körper klappte sich wie ein Zollstock zusammen, der linke Ski bohrte sich in den Hang. Was danach folgte, war ein Bild, das selbst erfahrene Flug-Trainer wegschauen ließ: Campregher rutschte kopfüber, ohne Bremse, ohne Halt, bis ins flache Auslaufbecken.

Warum der ehemalige top-10-springer überhaupt testete

Seit seinem Karriereende im Frühjahr 2025 berät Campregher das chinesische Team – und half beim Suiten-Check für das Wochenende. Die Auftraggeber hatten ihn gebeten, die neue Aerodynamik unter Beweis zu stellen. Stattdessen lieferte er den Beweis, dass Flugski-Springen keine Probeballons verträgt. Bereits der erste Testlauf war grenzwertig: Campregher rettete sich damals mit einer Notlandung. „Zweiter Versuch, zweites Glück“, lautete die Devise – doch das Glück ließ ihn diesmal im Stich.

Der Sturz ereignete sich kurz nach dem Kritik-Punkt der Vikersund-Schanze, wo die Auftriebskräfte die 2,5-fache Eigenmasse erreichen. Campreghers Körper rotierte um die Querachse, die linke Schulter rammte auf Eis. Sanitäter brauchten keine zehn Sekunden, doch die ersten Worte des Ex-Sportlers klangen nach Selbstschutz: „Ich kann meine Hand nicht spüren.“ Später, auf der Trage, soll er gefragt haben, ob die Ski heil geblieben seien – typisch für einen Athleten, der Material mehr vertraut als sich selbst.

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Laut FIS-Renndirektor Sandro Pertile ist Campregher ansprechbar, die Vitalzeichen stabil. Dennoch: Eine Schulter-CT liegt noch nicht vor, ein Rippenbruch wird nicht ausgeschlossen. Der Italiener erlitt außerdem ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma, weshalb er mindestens 24 Stunden zur Überwachung bleibt. Anders Kvaase, Kommunikationschef der Veranstaltung, versprach, „sobald wir belastbare Infos haben, werden wir sie rausgeben – momentan steht die Gesundheit im Vordergrund“.

Die Unfall-Serie trifft Vikersund im Rekordjahr. Mit 253,5 m schraubte Peter Prevc erst am Mittwoch den Flug-Weltrekord nach oben, die Organisatoren rechnen am Wochenende mit 270 m. Doch statt Jubel herrscht Betroffenheit. „Wir bauen die größte Schanze der Welt, vergessen aber manchmal, dass Menschen draufstehen“, sagte Co-Trainer Alexander Machin nach dem Vorfall. Die FIS prüft nun, ob Testläufe künftig nur noch mit aktiven Weltcup-Athleten erlaubt sein sollen.

Campreghers Unfall wirft auch ein Schlaglicht auf die fragwürdige Praxis, ehemalige Sportler als humanen Windkanal zu missbrauchen. Sie kennen zwar die Anlage, aber nicht die Mikro-Veränderungen an Anzug und Ski. Die Belastung bleibt identisch, der Schutzraum schrumpft. „Wir zahlen ein paar Euro, riskieren aber Gesundheit“, kritisierte Ex-Weltmeister Sven Hannawald gegenüber NRK. Die FIS will die Vorfälle auf der kommenden Technik-Konferenz in Chaux-Neuve debattieren.

Für Vikersund bleibt die Erkenntnis: Größer ist nicht immer besser. Die Zuschauer bekommen am Wochenende trotzdem ihre Show – zwei Einzelwettbewerbe der Männer und Frauen, bei Windgeschwindigkeiten bis 25 km/h. Die Athleten werden aufstehen, die Tribüne wird jubeln, und irgendwo in einem norwegischen Krankenzimmer wird Andrea Campregher die Daumen drücken. Seine Karriere ist vorbei, sein Unfall aber ist ein Echo, das bis in die Superlative der Schanze hallt.