Calafiori schmiedet arsenal-traum und will italien zur wm schießen
Riccardo Calafiori lacht, obwohl es in London gerade wieder einmal in Strömen regnet. Der 23-Jährige trägt Surfer-Look, aber in den Augen glüht italienisches Feuer. „Wenn wir als Gruppe funktionieren, können wir in Amerika mit jedem mithalten“, sagt er und meint damit nicht nur den FC Arsenal, sondern vor allem die Squadra Azzurra.
„Ich habe nie davon geträmt, ein normaler fußballer zu sein“
Die Geschichte des Verteidigers liest sich wie ein Drehbuch mit Höhen und Tiefen: 16-jährig Kreuzband- und Meniskusriss, 19-jährig nach einer 1:6-Pleite gegen Bodo/Glimt von José Mourinho öffentlich als „nicht gut genug“ abgestempelt, beim Genoa von Trainer Alexander Blessin als „italian bastard“ beschimpft. Die Roma schickte ihm die Entlassung per SMS. „Mein Selbstwertgefült lag am Boden“, gesteht Calafiori. „Aber ich wusste: Ich will nicht normal sein, ich will brennen.“
Die Flucht nach vorn führte ihn zum FC Basel, wo er nachts um zwei noch Fitnesstrainer anrief, um Extratraining zu vereinbaren. Thiago Motta ließ ihn in Bologna zur Außenbahn-Attraktion werden, Mikel Arteta holte ihn für 45 Millionen Euro an die Thames. Erste Bilanz: Arsenal an der Spitze der Premier League, Calafiori mit 2 Toren, 3 Assists und einer Passquote von 92 %.

London calling – aber die sonne bleibt in rom
„London ist London, aber der Rest Englands … naja“, sagt er und zuckt mit den Schultern. „Ich vermisse die italienische Sonne“, gibt er offen zu. Um sie zu spüren, liest er Orwells „1984“ und hört brasilianischen Pagode – „das bringt mich mental nach Rio, wenn draußen Nebel ist“. Mit Edoardo Bove, seinem Jugendfreund aus der Roma-Akademie, teilt er sich mittlerweile ein Apartment in der Nähe des Arsenal-Trainingszentrums. „Wir sind wie Bruder, nur dass er jetzt einen Defibrillator unter der Haut trägt. Aber er will die Welt zerstören – genau wie ich.“
Modetipps? Calafiori kramt in Vintage-Läden nach unbekannten Labels. „Das entspannt mich mehr als jede Playstation. Meine Mutter behauptet, ich wäre eingebildet. Aber ich sehe täglich Leute, die den Spiegel zum besten Freund erklären – das bin ich nicht.“

Playoffs gegen nordirland: „wir sind bereit, zu glühen“
Am Donnerstag trifft Italien im Semifinale der WM-Playoffs auf Nordirland. Für Calafiori ist das kein Horror, sondern eine Chance. „Auf dem Papier sind wir besser, an der Tafel zählt nur die Einstellung“, sagt er. Nach dem Eigen-Tor gegen Spanien bei der EM habe er gespürt, „wie sich 60 Millionen Italiener gegen dich verschwören“. Drei Tage später legte er gegen Kroatien das 1:1 auf – und die Azzurri rutschte durch. „Das war stärker als jedes Antidepressivum.“
Sein Fazit klingt wie ein Kampfansage an alle, die Italien bereits abgeschrieben haben: „Wenn wir als Team brennen, fliegt keiner allein nach Amerika – dann fliegen wir gemeinsam, und dann wird jeder Gegner merken, dass wir noch längst nicht fertig sind.“
