Calafiori packt aus: sms von mourinho, blessins bastard-attacke und der mond im london-dunst

Riccardo Calafiori lacht, während er die Sonne sucht – und dabei inmitten von Arsenal-Trophäen steht. Der 23-Jährige hat den Sprung aus der Roma-Kälte in die Premier-League-Hitze geschafft, doch der Weg war ein Spießrutenlauf voller Demütigungen.

„Italian bastard“ – blessins wortwahl beim fc genoa

Der italienische Nationalspieler packt erstmals öffentlich aus, wie Trainer Alexander Blessin ihn in Genua gedemütigt hatte. „Er pflegte mich ‚italian bastard‘ zu nennen“, sagt Calafiori ruhig, aber mit sichtbarer Anspannung. „Ich versuche, Menschen stets zu entschuldigen, doch auch Jahre später bleibt ein fader Beigeschmack.“ Der Klub stieg ab, Calafioris Selbstwert sank auf Minus. „Mein Selbstvertrauen war am Boden. Ich fragte mich, ob meine Zukunft in der Serie C liegen würde.“

Die Talfahrt begann mit einer SMS. Nach seiner Rückkehr aus Genua informierte ihn die Roma per Kurznachricht, dass er künftig nicht mehr zum Kader zähle. „Kein Gespräch, kein Handschlag – nur 160 Zeichen“, erinnert er sich. „Ich habe nie davon geträumt, ein durchschnittlicher Profi zu sein. Deshalb habe ich weiter gearbeitet, statt mich zu beklagen.“

Mourinho: vom video-held zur absage

Mourinho: vom video-held zur absage

José Mourinho hatte ihn einst als Teenager hochgejubelt, ein TikTok-Video zeigte den Coach, wie er Calafioris Profil auf dem Laptop studierte. Doch nach der 1:6-Pleite gegen Bodo/Glimt riss der selbst ernannte Special One die Kreditkarte ein. „300 Benachrichtigungen auf einmal“, erzählt Calafiori. „Vom Liebling zum Leihgut – das war hart, aber es hat meine Reifung beschleunigt.“

Die Retourkutsche folgte über Umwege: Basel schenkte ihm Stabilität, Bologna unter Thiago Motta die Spielfreude. „Motta, Spalletti und Arteta haben mein Denken verändert“, sagt er. Bei der EURO 2024 schraubte er die italienische Fahne aufs eigene Dach – bis zum Eigentor gegen Spanien. „Das hat mir kurz zugesetzt, aber gegen Kroatien habe ich mich rehabilitiert – Assist, Achtelfinale, Emotion pur.“

London calling: pagode, orwell und bove nebenan

London calling: pagode, orwell und bove nebenan

Mittlerweile lebt Calafiori in einem Apartmentkomplex neben Edoardo Bove, seinem Weggefährten aus der Roma-Jugend. „Wir haben denselben Weg von Trigoria bis London geschafft – das kann kein Zufall sein“, schmunzelt er. Zwischen Trainingseinheiten liest er George Orwell, lässt brasilischen Pagode durch die AirPods dröhnen und stöbert nach Vintage-Stücken in Camden Market. „Mode ist mein Ventil. Meine Mutter behauptet, ich wäre eitel – aber ich kenne Leute, die benutzen den Spiegel als zweites Zuhause.“

Die nächste große Prüfung steht bevor: Playoff-Spiele gegen Nordirland, das Ticket für den Weltcup in den USA, Mexiko und Kanada. „Wenn wir als Kollektiv auftreten, können wir auch in Amerika mit jedem mithalten“, betont er. Negativität lasse er an der Garderobe hängen. „Auf dem Papier sind wir besser – wir müssen nur an uns glauben.“

Calafiori trägt keine Sonnenbrille mehr, um die London-Wolken zu ignorieren. Stattdessen richtet er den Blick aufs nächste Trophäenregal – und auf eine Zukunft, die endlich wieder strahlt.