Bvb-vertrag: ricken nimmt stellung – schlotterbeck-poker geht weiter

Dortmund – Die Personalie Nico Schlotterbeck beschäftigt den BVB seit Monaten. Ex-Profi Lars Ricken, aktueller Geschäftsführer Sport, sprach im Interview mit Sport BILD Klartext über die Vertragsverhandlungen, die Vergangenheit und die Zukunft des jungen Verteidigers. Ein Blick zurück auf seine eigenen Verträge beim Verein wirft ein neues Licht auf die aktuelle Situation.

Rückblick auf eigene vertragsverlängerungen

Ricken erinnerte sich an seine eigenen dreimaligen Vertragsverlängerungen beim BVB. Besonders der erste Coup im Jahr 1997, kurz nach dem Champions-League-Sieg, sei ihm in Erinnerung geblieben. „Damals haben sogar die Bayern angerufen und gefragt, ob ich mir einen Wechsel vorstellen könnte. Das habe ich aber abgelehnt, weil wir damals die Nummer eins im deutschen Fußball waren und ich mich als Dortmunder ganz besonders mit dem BVB verbunden fühle.“ Eine Entscheidung, die er sofort traf, wie er betont: „Es war für mich eine Selbstverständlichkeit, dass ich beim BVB bleibe.“

Schlotterbeck-poker: geduld und vertrauen

Schlotterbeck-poker: geduld und vertrauen

Zur aktuellen Situation um Nico Schlotterbeck zeigt sich Ricken verständnisvoll. „Ich habe mit Nico inzwischen einige Gespräche geführt. Ich finde es durchaus verständlich, dass Nico für sich Zeit braucht, um bestimmte Dinge zu reflektieren.“ Er weist auf die Komplexität der Situation hin, insbesondere angesichts der Klasse des Spielers. Lothar Matthäus‘ Forderung nach einer Deadline hält er für unangebracht: „Die Gespräche sind so respektvoll und vertraulich, dass wir nicht auf künstliche Weise Druck ausüben wollen.“ Das Management betont, dass man weiterhin im vereinbarten Zeitrahmen liege und die Lage kontrolliert habe.

Verkauf oder vertragsverlängerung?

Verkauf oder vertragsverlängerung?

Die Frage, ob der BVB Schlotterbeck im letzten Vertragsjahr ziehen lassen würde, beantwortet Ricken offen: „Es gibt ja drei Optionen: Wir verlängern den Vertrag, wir verkaufen ihn im Sommer – oder wir gehen ins letzte Vertragsjahr. Die letzte Option wollen wir alle vermeiden.“ Er drückt seine Zuversicht aus, dass die Verlängerung die wahrscheinlichste Option bleibt. „Ich bin immer optimistisch in die Gespräche gegangen.“ Die Gespräche, zu denen nun auch der neue Sportdirektor Ole Book hinzugestoßen ist, sollen fortgesetzt werden.

Neuer wind mit ole book

Neuer wind mit ole book

Die Zusammenarbeit mit dem neuen Sportdirektor scheint Ricken zu ermutigen. Ole Book habe ihm bereits seine Ideen und Pläne vorgestellt, um den Kader zu verbessern. „Ole hat ihm erklärt, wie er tickt, was er für Ideen hat, wie er mit dem Kader plant und welche Vorteile wir Nico bieten.“ Ricken betonte, dass man sich nun auf die Zukunft konzentriere und aus Fehlern der Vergangenheit lerne.

Kehl-entscheidung und transferstrategie

Die Entlassung von Ex-Sportdirektor Sebastian Kehl wurde von Schlotterbeck als Auslöser für die aktuelle Situation dargestellt. Ricken verteidigte die Entscheidung: „Solch eine Entscheidung muss man aus Überzeugung treffen, nicht aus taktischen Überlegungen.“ Er betonte, dass die Entscheidung in gegenseitigem Einvernehmen getroffen wurde und dass ein Spieler immer einen Vertrag mit dem Verein, nicht mit einer einzelnen Person abschließt. Die Transferstrategie des BVB soll nun aggressiver und schneller werden. „Da geht es nicht nur um Kreativität, sondern auch um Schnelligkeit, um Mut und um Aggressivität auf dem Transfermarkt.“

Die suche nach offensivpower

Die Suche nach einem neuen Offensivspieler, der die Kreativität und die Scorerpunkte von Julian Brandt ersetzt, steht dabei ganz oben auf der Liste. Ricken zeigte sich optimistisch, dass die richtigen Lösungen gefunden werden können, auch wenn dies kreative Ansätze erfordert. „Natürlich suchen wir nach einem Offensivspieler, der Qualität mitbringt, uns direkt weiterhelfen kann und keine utopische Ablösesumme erfordert.“

Die Zukunft des BVB hängt von vielen Faktoren ab, aber die neue Energie und das Vertrauen in das Team um Niko Kovac und Ole Book lassen auf eine spannende Saison hoffen. „Ohne ihn stünden wir nicht auf Platz zwei“, so Ricken über Kovac, ein klares Bekenntnis zum Trainer und zur aktuellen sportlichen Führung.