Bvb-revolution ohne lippenbekenntnisse: ole book schlägt bayern-realismus statt titel-träumen vor
Ole Book trat am Mittwoch nicht als Messias, sondern als Handwerker an. „Träume darf jeder haben, aber noch sind wir ein ganzes Stück davon weg“, sagte der neue Sportdirektor von Borussia Dortmund und spülte binnen Sekunden jene Sehnsucht weg, mit der viele Fans den Heimkehrer erwartet hatten. Statt „Meister“ schrieb er „Renovierung“ auf die Agenda – und machte klar, dass der Rekordmeister aus München für ihn kein verfolgbarer Hase, sondern ein „ein bisschen enteilter“ Zug ist.
Der fan wird zum zimmermann
Book kennt die Schwarz-Gelbe Seele, schließlich schreit er sie seit der Schulbank mit. Doch genau diese emotionale DNA macht seine Nüchternheit so brisant. Wer erwartet hatte, der 40-Jährige werde nach drei Jahren Elversberg mit dem Selbstvertrauen des Aufsteigers große Töne spielen, wurde belehrt: Erst kommt die Statik, dann der Glanz. „Wir werden nicht mit einer U21 spielen“, beteuerte auch Sportgeschäftsführer Lars Ricken, der damit die Angst vor einem radikalen Youth-Only-Experiment zerstreute. Die Devise lautet Mischung, nicht Magie.
Die Zahlen sprechen ohnehin eine andere Sprache. Seit 2013 warten die Dortmunder auf ein Meister-Trikot, und die Punktdistanz zum FC Bayern lag zuletzt bei 23 Zählern. Book weiß: Wer von Titeln schwadroniert, bekommt spätestens im März einen Reality-Check serviert. Also verlegt er den Fokus auf das, was er wirklich kann – Perlen aufspüren. Younes Ebnoutalib holte er einst aus der Oberliga, verkaufte ihn für acht Millionen Euro. Nick Woltemade und Fisnik Asllani schickte er auf die Bundesliga-Bühne. Dieses Radar will Dortmund nutzen, ohne sich in ein zweites Elversberg zu verwandeln.

Kehl-nachfolge mit abriss statt anstrich
Carsten Cramer, Finanzvorstand, beschrieb den Klub als „gut fundamentiert“, sprach aber auch von „bröckelnden Wänden“. Gemeint ist die Infrastruktur zwischen Talentschmiede und Profi-Mannschaft. Unter Sebastian Kehl wirkte sie manchmal wie ein elegantes, aber undichtes Rohr. Book soll jetzt Dichtungsringe einbauen, wo andere schon wieder Goldhähne montieren würden. Drei Jahre Zeit hat er – mehr Vertragslaufzeit als jeder Vorgänger seit Michael Zorc. Länger als ein BVB-Coach üblicherweise durchatmen darf.
Die Botschaft ist klar: Kein Quick-Fix, kein Social-Media-Spektakel, sondern handfestes Handwerk. Wer nach der Pressekonferenz noch fragt, wann die Meisterschale kommt, hat nicht zugehört. Ole Book hat sie nicht mal ausgepackt. Stattdessen hält er einen Bohrer in der Hand – und bohrt sich tief in die Wand, die Bayern München heißt. Ob sie bröckelt oder nicht, wird sich zeigen. Fakt ist: Der Fan ist jetzt Zimmermann. Und der Zimmermann schwingt lieber den Hammer als den Tambourin.
