Bvb löst kehl sofort ab – ricken erklärt den kühlen schnitt
Kein Sommer, kein Aufschub, kein netter Abgang: Borussia Dortmund trennt sich mit sofortiger Wirkung von Sebastian Kehl. Lars Ricken zieht die Notbremse, um Planungschaos und Gerüchte zu stoppen.
Warum jetzt und nicht erst im juni?
Die Antwort kommt ohne Umschweife: „Es ist sinnlos, Sebastian dann noch in Gespräche zu schicken, mit dem Wissen, dass er dann im Sommer nicht mehr da ist“, sagt Ricken. Die Szene sitzt im Klubhaus, Mittwochnachmittag, 13:46 Uhr. Kein Blatt Papier liegt zwischen den Beteiligten, nur die klare Ansage: Schluss, sofort, raus aus der Schusslinie. Sonntagabend fiel die Entscheidung, Montagmorgen stand Ole Book schon in der Kabine. 40 Jahre alt, Kaderplaner aus Elversberg, mit einer Ausstiegsklausel, die nur für den BVB existiert.
Ricken spricht schneller als sonst. Der 49-Jährige kennt die Mechanismen: Je länger ein Sportdirektor auf Abruf läuft, desto lauter werden die Fragen nach Transfers, Stammplänen, Zukunftsmodellen. „Wir wollten dem neuen Sportdirektor den Raum geben“, sagt er. Kein Seitenhieb, nur Rechnung. Der Verein zahlt Kehl bis Vertragsende, verzichtet auf Show-Ehrenrunden. Der ehemalige Kapitän, der mit Ricken 2002 deutscher Meister wurde, erhält stattdessen „eine Möglichkeit zum würdigen Abschied – in welcher Form, das besprechen wir intern“.

Die stunde des ole book
Book bringt das mit, was Kehl zuletzt fehlte: eine klare Kompetenzlinie im Scouting. Elversberg stieg unter ihm mit Daten, Leihgeschäften und Minimal-Budget in die 2. Liga auf. Beim BVB bekommt er eine Transferliste mit 60-stelligem Etat und dem Druck, Spieler zu finden, die sofort zünden. Er tritt sein Amt offiziell am 1. Juli an, wirkt aber schon jetzt als Schatten-Coach mit Veto-Recht. Erste Amtshandlung: Gespräche mit Edin Terzić über die Sommerplanung. Kehl war zuletzt oft zwischen Trainer- und Vorstandsetage gefangen, Book soll die Brücke schlagen – und gleichzeitig den eigenen Kopf durchsetzen.
Ricken streicht die Brille zurecht, bevor er die letzte Frage beantwortet. „Ist das nicht kalt?“ – Er zuckt nicht. „Kalt wäre, Monate so zu tun, als hätte man Vertrauen.“ Die Entscheidung sei nicht einfach gewesen, aber alternativlos. Der BVB liegt vier Punkte hinter der Champions-League-Quali, das Achtelfinale steht an. Jeder Tag mit offenen Fragen kostet Punkte, jeder Punkt kostet Millionen. Dortmund handelt, statt zu warten. Kehl erhält seinen Abschied irgendwann im Mai, auf dem Rasen, vor 81.000 Fans. Bis dahin gilt: Schweigen, Abrieb, Neuanfang. Book ist schon auf dem Weg zum Trainingsplatz.
