Bvb bindet verletzten can: vertragsverlängerung ohne rückkehr-datum

Borussia Dortmund verlängert den Vertrag mit Emre Can – obwohl der Kapitän seit Wochen neben dem Platz humpelt und kein Mensch weiß, wann er wieder durch den Signal-Iduna-Park sprintet. Die Verantwortlichen setzen auf Charakter statt Knorpel.

Das timing irritiert, die botschaft nicht

Seit dem 2:3 gegen Bayern Mitte Februar ist Can ein Fall für Mediziner. Ein Kreuzbandriss, Operation, anschließend Stille. Dass der Klub jetzt die Option zieht und den 32-Jährigen bis 2027 an sich bindet, ist in der Bundesliga kein Standardmove. Lars Ricken rechtfertigt die Entscheidung mit dem Begriff „Vorzeigeprofi“. Gemeint ist: Wer so lange in Dortmund lebt, wer 220 Pflichtspiele absolviert, wer die Kabine dominiert, den lässt man nicht ziehen, nur weil das Knie gerade streikt.

Die Ablösesumme von einst – 25 Millionen Euro an Juventus – war ein Statement. Die Verlängerung ist ein zweites, nur stilleres. Sie signalisiert: Der BVB plant nicht nur mit Spielern, sondern mit Persönlichkeiten. Can selbst will „extrem fit und gesund“ zurückkommen, wie er nach seiner Unterschrift verspricht. Ein Satz, der Mut macht, aber keine Zeitangabe enthält.

Zahlen, die mehr sagen als worte

Zahlen, die mehr sagen als worte

23 Tore, 12 Assists, ein Pokalsieg 2021 – Cans Bilanz in Schwarz-Gelb. Dazu kommt eine Quote, die kein Statistikportal liefert: In fast jedem Interview nennen Teamkollegen seinen Namen, wenn es um Standards in der Kabine geht. Das zählt in einer Saison, in der Dortmund zwischen Champions-League-Platz und Krise taumelt. Trainer Nuri Şahin kann momentan nicht auf Cans Ballsicherheit und Laufarbeit vertrauen, aber auf seine Stimme im Kraftraum. Das ist kein Troopspreis, sondern Teil der Strategie.

Sein Gehalt bleibt in der Verlängerung stabil; es ist kein Downgrade wegen der Verletzung. Der Klub übernimmt weiter die komplette Reha, schickt ihn nicht an einen externen Spezialisten. Intern nennen das manche „Familienmodell“, andere „Risikopolitik“. Denn sollte der Defensivspieler die Belastung nicht mehr vertragen, wäre die weitere Laufzeit ein kostspieliger Luxus. Die Mediziner sind zuversichtlich, dass Can vor 2027 wieder aufläuft, aber sie nennen keinen Monat.

Ein präzedenzfall mit folgen

Ein präzedenzfall mit folgen

Vergangene Woche verhandelte Dortmund auch mit Mats Hummels über ein neues Arbeitspapier – das Gespräch verlief holprig. Die Geste an Can kann als Signal an die Kabine verstanden werden: Treue zahlt sich aus, auch wenn der Körper streikt. Spielerberater beobachten die Konstruktion genau; sie wissen, dass künftige Vertragsgespräche mit Verletzten an diesem Fall gemessen werden.

Für Can persönlich ist die Verlängerung mehr als ein Sicherheitsnetz. Er kann sich voll auf die Reha konzentrieren, ohne den Blick auf den Kalender zu richten. Wenn er im Spätsommer oder Winter wieder einläuft, wird er nicht in ein Auslaufmodell hineinstolpern, sondern in ein Projekt, das sich selbst verpflichtet fühlt. Ob das reicht, um die Lücke zu schließen, die er im defensiven Mittelfeld hinterlassen hat, wird sich zeigen. Die sportliche Leitung hat ihren Glauben jedenfalls schriftlich fixiert – und das ist im Geschäft mit Muskeln und Millionen selten genug.