Bremer sv steht vor radikalem umbruch: voigt tritt ab, stars weg

Ralf Voigt packt es schon beim Zusehen: Der Mann, der den Bremer SV in dieser Saison auf Platz sechs der Regionalliga Nord geschraubt hat, wird den Trainerjob mit Schlusspfiff aufgeben – und weiß selbst noch nicht, wer ihn beerbt. „Ich habe einen Kandidaten, den ich favorisieren würde. Aber das muss auch wirtschaftlich machbar sein“, sagt Voigt mit dem Blick eines Mannes, der gerade erkannt hat, dass Erfolg manchmal teurer wird als Misserfolg.

Die trügerische ruhe vor dem abriss

Die Zahlen lügen nicht: 22 Tore schoss Leon Gino Schmidt, 3.600 Zuschauer Schnitt, 5. Platz als mögliche Höchstausbeute. Doch hinter den Kulissen brodelt es. Voigt rechnet damit, dass fünf bis sieben Leistungsträger den Klub verlassen – nicht etwa, weil sie müde sind, sondern weil sie endlich wahrgenommen wurden. Schmidt hat Angebote aus der 3. Liga, Justin Gröger und Moritz Busch werden von finanzstarken Südwest-Klubs umworben, Ken Tchouangue hat schon seinen Berater eingeschaltet. „Wir werden nicht jeden halten können“, sagt Voigt und klingt dabei, als hätte er das Skript schon gelesen.

Der Sportliche Leiter, der sich selbst beerdigt, sitzt auf einem Berg von Erfolgen, der ihm zugleich unter den Füßen wegbricht. Nelson Haedo Valdez? „Kein Thema“, sagt Voigt knapp. Der ehemalige Werder-Stürmer war kein Gerücht, sondern ein Wunsch vieler Fans – aber kein realistischer Kandidat. Stattdessen tobt sich Voigt in der Rolle des Schlichters aus: Er will einen Trainer, der mit dem Umbruch leben kann, aber nicht mit dem Abstieg. Einen, der mit 18-jährigen Talenten arbeitet, aber auch mit 30-jährigen Hochbezahlten. Einen, der kosten soll, was der Verein nicht hat.

Der letzte akt beginnt am samstag

Der letzte akt beginnt am samstag

Am Finaltag kann der BSV mit einem Sieg bei Hannover 96 II noch den fünften Platz ergattern – vorausgesetzt, Phönix Lübeck verliert parallel. Doch selbst ein Unentschieden reicht, wenn Lübeck patzt. Die Rechnung ist simpel, die Folgen komplex: Je besser die Position, desto größer das Interesse, desto höher die Ablösesummen, desto wahrscheinlicher der Exodus. Voigt lacht nicht, wenn er das sagt. „Erfolg hat eben auch seinen Preis.“

Der Trainerstuhl bleibt vorerst leer, der Kader bekommt Löcher, die nicht mit Talenten aus der zweiten Mannschaft zu stopfen sind. Voigt selbst wird bleiben – als Sportlicher Leiter, als Architekt, als Mann, der den Abbruchbagger lenkt, nachdem er das Gebaut hat. „Am Ende des Tages müssen wir sehen, was wir machen können“, sagt er und meint: was wir noch retten können.

Die Saison war ein Feuerwerk. Die Nachsaison wird ein Abriss. Und mitten drin steht Ralf Voigt, mit der Gewissheit, dass er den Klub besser gemacht hat – und jetzt besser gehen muss.