Bremer sv: fans boykottieren heimblock – protest eskaliert vor derby
Statt zu singen, schwiegen sie. Statt auf der Gegengerade zu stehen, besetzten sie den Gästeblock. Der Bremer SV erlebte am Sonntag auf dem Panzenberg keine Rückkehr in die Regionalliga-Saison 2026, sondern eine Machtdemonstration der eigenen Anhänger. Flyer regneten herab, darauf die Parole: „Gäste im eigenen Verein? Nicht mit uns!“ Der Grund: der Co-Trainer ist Polizist – und das passt der linken Fanszene ganz und gar nicht.
Der mann, der den funken zündete
Torsten Krieg-Hasch, 42, seit Dezember Co-Trainer des BSV, arbeitet im Alltag als sogenannter szenekundiger Beamter. Für viele Ultras ein rotes Tuch. „Nein danke, keine Szene-Cops in unserem Verein!“ heißt es im Flugblatt, das kurz vor Anpfiff verteilt wurde. Krieg-Hasch selbst winkt ab: „Mein Beruf bleibt draußen. Ich bin hier, um Fußball zu trainieren.“ Doch die Spaltung ist längst Realität. Ein Vorstandmitglied soll die Fans intern als „linksextremer Haufen“ diffamiert haben – ein Vorwurf, der die Fronten verhärtet.
Die Liste der Unmutsäußerungen ist lang: zu teures Bier, zu wenig Wertschätzung, das Testspiel gegen den SV Atlas Delmenhorst, dessen Anhang rechte Tendenzen nachgesagt werden. „Wir fühlen uns wie Eindringlinge im eigenen Stadion“, sagt ein Aktivist, der namentlich nicht genannt werden will. Das nächste Heimspiel gegen den FSV Schöningen droht nun erneut Eskalation – mit Bannern und Sprechchören.

Der vorstand zieht die karte des erfolgs
Sport-Vorstand Jens Fröhlich betont, man habe „ausschließlich sportliche Kriterien“ gelten lassen. Trainer Ralf Voigt, dessen Team auf Tabellenplatz sieben überraschend in der oberen Hälfte der Regionalliga Nord auftaucht, stellt sich schützend vor seinen Assistenten: „Er macht einen exzellenten Job. Wir lassen uns keine Steine in den Weg legen.“ Für Voigt ist die Debatte Nebensache – für die Fans ist sie existenziell.
Ein Krisentreffen ist für Freitagnachmittag anberaumt, doch die Erwartungen sind tief. Die Stimmung ist „eisig“, die Lage „verfahren“. Selbst interne Vermittler zweifeln, dass sich die Fronten noch rücken lassen. Sollte das Gespräch scheitern, plant die Szene weitere Aktionen – und der Bremer SV droht vor dem Derby gegen Schöningen ein Imageschaden, der über die Regionalliga hinauswellt.
Die Zahlen sind eindeutig: 7. Platz, 41 Punkte, nur drei Niederlagen im Jahr 2026. Sportlich läuft es rund. Doch am Panzenberg zählt momentan nicht der Tabellenstand, sondern die Frage, ob der Klub seine Seele behält – oder sie verkauft.
