Braunschweig: adhs, schwimmen und olympia – ein ungewöhnlicher weg

Ole Braunschweig, einer der besten deutschen Rückenschwimmer, spricht offen über seine ADHS-Diagnose und wie ihm das Schwimmen hilft, seine Energie zu kanalisieren. Im exklusiven Interview mit rbb|24 verrät er, warum er bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles kämpfen will und wie er jüngere Athleten inspirieren möchte.

Ein leben zwischen gedanken und bahnen

Die Diagnose ADHS traf Braunschweig früh, doch anstatt ihn zu definieren, lernte er, sie in eine Stärke umzuwandeln. „Die Reizarmut beim Schwimmen ist recht gering. Dadurch konnte ich den Kopf ganz gut freibekommen“, erklärt er. Die rhythmische Bewegung im Wasser ermöglicht es ihm, seine Gedanken zu ordnen und zu fokussieren – eine Fähigkeit, die ihm nicht nur im Sport, sondern auch im Alltag zugutekommt. Anders als viele andere Sportler, die ihre Karriere in jungen Jahren beginnen, steht Braunschweig mit 28 Jahren an einem Scheideweg. Dennoch hat er entschieden, weiterzumachen, getrieben von einem klaren Ziel: Olympia 2028.

Brüderliche unterstützung und olympische träume

Brüderliche unterstützung und olympische träume

Seine Entscheidung, weiterzumachen, wurde durch seinen Bruder Malte, einen paralympischen Schwimmer, maßgeblich beeinflusst. „Als Malte 2016 von laufender Kamera verkündet hat, dass wir es beide nach Tokio schaffen werden, war ich Feuer und Flamme, es gemeinsam mit ihm zu schaffen“, erinnert sich Braunschweig. Das historische Ereignis, dass ein Brüderpaar bei den Olympischen und Paralympischen Spielen vertreten war, hat ihn nachhaltig geprägt und seinen olympischen Traum neu entfacht.

Mehr als nur bahnen ziehen: training und mentale stärke

Mehr als nur bahnen ziehen: training und mentale stärke

Braunschweigs Trainingswoche ist alles andere als entspannt. Sie besteht aus sieben Wassereinheiten, vier Krafteinheiten und regelmäßigen Mobilisations- und Dehnungssessions. „Viele denken, Schwimmen sei dummes Kacheln zählen und hin- und herkloppen. Das ist es natürlich nicht“, betont er. Neben der körperlichen Fitness spielt auch die mentale Stärke eine entscheidende Rolle. Er nutzt die Ruhe unter Wasser, um seine Gedanken zu kanalisieren und sich auf seine Ziele zu konzentrieren.

Die 50 meter disziplin: ein besonderer reiz

Die 50 meter disziplin: ein besonderer reiz

Die Einführung der 50 Meter Rücken als olympische Disziplin hat Braunschweigs Entscheidung, weiterzumachen, zusätzlich bestärkt. „Aus meiner Sicht tun 100 Meter wirklich sehr doll weh, noch mehr als 50“, gesteht er. Doch gerade diese Herausforderung reizt ihn an. „Du brauchst immer das perfekte Rennen – vom Start an, über Wasser, unter Wasser, jeder Zug und der Anschlag müssen passen, um bei den Spielen in Richtung der Medaillen schielen zu können.“ Sein Ziel für Los Angeles ist klar: eine Medaille über 50 Meter Rücken.

Bevor es jedoch so weit ist, stehen die Deutschen Meisterschaften in Braunschweig an. „Ich freue mich natürlich immer auf das heimische Publikum“, sagt er. Doch er weiß, dass die Konkurrenz groß ist und die Titelverteidigung keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die Deutschen Meisterschaften sind für ihn lediglich eine Station auf dem Weg zu seinem großen Ziel: Olympia 2028.