Boxen: kubanische expertise katapultiert deutsche talente in die weltspitze?
Heidelberg. Ein überraschender Schachzug im deutschen Boxsport: Der Deutsche Boxsport-Verband (DBV) hat Humberto Horta Domínguez, einen der renommiertesten Trainer Kubas, als neuen Bundestrainer verpflichtet. Das Ziel ist klar: Olympische Medaillen 2028 in Los Angeles. Doch kann die kubanische Boxschule wirklich den deutschen Sport revolutionieren?
Ein radikaler neuanfang für den dbv
Nach Jahren enttäuschender Ergebnisse bei internationalen Wettbewerben, war der DBV gezwungen, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Die Entscheidung, einen ausländischen Trainer zu holen, war alles andere als selbstverständlich, markiert aber einen Wendepunkt in der deutschen Boxing-Geschichte. Farid Vatanparast, der Präsident des DBV, musste viel Überzeugungsarbeit leisten, um die Stelle überhaupt international ausschreiben zu können. Die Konkurrenz ist enorm, denn andere Nationen investieren massiv in ihre Boxprogramme und verpflichten gezielt internationale Top-Trainer.
Horta Domínguez, der am Olympiastützpunkt Heidelberg sein neues Trainingszentrum aufgebaut hat, bringt eine beeindruckende Erfolgsbilanz mit. Er gilt als Meister der systematischen Ausbildung und hat im Laufe seiner Karriere zahlreiche Weltklasse-Boxer hervorgebracht. Sein Fokus liegt auf Technik, Disziplin und der legendären kubanischen Boxschule – einem System, das auf präzisen Bewegungen, starkem Rhythmusgefühl und taktischer Kontrolle basiert.
„Morgens ist es, dass der uns alle umarmt und dann ist es halt einfach eine sehr, sehr coole Sache“, so Ousainou Hansen, Athletensprecher der Nationalmannschaft, über den neuen Bundestrainer. Die Atmosphäre im Trainingslager hat sich bereits verändert: lockerer, aber gleichzeitig anspruchsvoller. Die Boxer spüren den Druck, aber auch die Motivation, sich zu verbessern.

Die wurzeln der kubanischen boxschule liegen im ddr-sport
Der Einfluss der kubanischen Boxschule reicht jedoch weiter zurück, als man denkt. Ihre Wurzeln liegen im Sportwissenschaftlichen Denken des Realsozialismus. Sowohl die Sowjetunion als auch die DDR setzten früh auf zentral organisierte Förderung, wissenschaftliche Trainingssteuerung und langfristigen Leistungsaufbau. Nach der Revolution in Kuba wurden kubanische Trainer von Experten aus Russland und der DDR ausgebildet, die das System dort aufbauten. Der heutige Bundestrainer Horta Domínguez baut auf diese Tradition auf und versucht, sie an die deutschen Boxer weiterzugeben.
Adolf „Ade“ Angrick, ein 81-jähriger ehemaliger Bundestrainer und selbst in der DDR ausgebildeter Boxer, betont, dass die deutsche Mannschaft in der Vergangenheit etwas an Athletik und Wettkampfstrategie verloren hat. „Wir waren international von der Sache der Athletik und von der Sache der Wettkampfstrategie nicht mehr ganz aktuell“, so Angrick. Horta Domínguez soll nun helfen, diese Lücke zu schließen und die deutsche Mannschaft wieder an die Weltspitze zu führen.
Die ersten großen Erfolge müssen dann Mitte September bei den Europameisterschaften in Sofia herbeigeführt werden. Doch die Zeichen stehen gut: „Viele Trainer in Brasilien haben mir gesagt: Die deutschen Boxer sehen schon aus wie Kubaner“, so Horta Domínguez. Eine Aussage, die Hoffnung macht und die deutsche Boxing-Szene mit Spannung verfolgt.
