Borutta packt die koffer: vfl oldenburg verliert power-frau an die côte d’azur
Lisa Borutta geht, und mit ihr verabschiedet der VfL Oldenburg jene Spielerin, die in den vergangenen drei Jahren am meisten vom rechten Rückraum abfeuerte. Ziel: Toulon. Vertrag: bis 2028. Keine Leihe, kein Zwischenstopp – ein Schnitt, der im Dezember beschlossen, nun aber erst so richtig schmerzt.
Warum toulon? weil frankreich zahlt und zwingt
Die Französinnen-Ligue féminine de handball gilt seit Jahren als das beste bezahlte Haus Europas. Für Borutta, 28, mit 186 cm und 82 kg eine der körperlich präsentesten deutschen Außen, bedeutet der Schritt nicht nur Sonne, sondern vor allem Sicherheit: ein Vierjahreskontrakt, ein Klub, der seit 2022 in Folge die Champions-League-Teilnahme knapp verpasste und nun mit ihr den letzten Biss sucht. „Als rechte Rückraumspielerin mit einem kraftvollen und erfahrenen Profil wird Lisa dem Team Präzision und Durchschlagskraft verleihen“, schreibt Toulon Métropole Var Handball auf Instagram – und meint damit die 112 Buden, die Borutta in der abgelaufenen Bundesliga-Saison erzielte, obwohl sie zweimal mit Adduktorenproblemen aussetzen musste.
Der VfL zog bereits nach. Mit Mia Zschocke (21) wurde eine neue Rechtsaußen verpflichtet, die in der 2. Liga für HSG Bensheim 65 Tore warf und nun die Lücke füllen soll. Doch Zschocke ist 1,78 m klein, spielt eher mit Tempo statt mit Wucht. Die physische Präsenz, die Borutta in der Abwehr bot – 34 Ballgewinne allein in der Mitte der Saison –, bekommt Oldenburg so nicht eins-zu-eins zurück.

Der zeitplan ist eng – und der trainer wütend
„Wir hätten Lisa gern bis 2026 gehalten, aber sie wollte vorzeitig raus“, sagt VfL-Managerin Jana Krause. Der Freigabe-Vertrag wurde bereits im Winter besiegelt, damit Borutta schon im Sommer wechseln kann. Für Chef-Trainer Jan-Henning Hagemann bedeutet das Umplanen in einem Sommer, in dem auch noch Stamm-Torhüterin Dinah Eckerle ihr Comeback plant und Linksaußen Alicia Stolle den Verein verlassen will. „Wir verlieren 180 Tore aus dem Rückraum, das ist kein Pappenstiel“, sagt Hagemann. Intern heißt es, dass er den Vorstand gebeten hatte, Borutta mit einem deutlich besseren Gehalt plus Leistungsprämie zu halten – erfolglos.
Toulon wiederum zahlt laut französischen Medienberichten rund 120 000 Euro Jahresgehalt plus Bonus – fast das Doppelte dessen, was Bundesligaclubs durchschnittlich für Nationalspielerinnen bieten können. Die Liga in Deutschland pocht auf Gehaltsobergrenzen, Frankreich lockt mit einem freien Markt. Borutta selbst schweigt zu den Summen, sagt nur: „Ich wollte noch einmal eine neue Kultur erleben, bevor ich zu alt bin, um zu fliegen.“

Oldenburgs saison droht zu kippen – oder neue power zu bekommen
Der VfL startet am 6. September mit einem Auswärtsspiel bei der HSG Bensheim in die neue Runde. Ohne Borutta, dafür mit einem Budget, das plötzlich Luft nach oben lässt. Die Kruse-Gruppe, Hauptsponsor des Klubs, stockt laut Insidern die Mittel um 15 Prozent auf, damit Ersatz auf höherem Niveau verpflichtet werden kann. Gesucht wird noch eine erfahrene Rückraumspielerin mit EU-Pass – kurzfristig, weil Boruttas Abflug schon Mitte Juli ansteht, damit sie mit Toulon die Vorbereitung auf die neue Saison beginnen kann. Die Uhr tickt.
Für Borutta ist der Transfer ein Jackpot: vier Jahre Jobgarantie, Champions-League-Perspektive, Mittelmeer. Für Oldenburg ein Schock, der sich erst im Herbst zeigt, wenn die Torgefahr aus dem Rückraum plötzlich fehlt. Die Côte d’Azur feiert, die Bundesliga trauert – und eine 28-jährige Weltmeisterin von 2017 packt die Sonnencreme ein.
