Borussia neunkirchen: vorstand räumt komplett – insolvenz droht zu versinken
Mit dem Kalenderblatt zum 31. März löscht sich die Führung von Borussia Neunkirchen selbst aus. Eisenhuth, Nürnberger, Müller – alle drei verabschieden sich, bevor der Insolvenzverwalter Becker die Ruine sortiert. Der Traditionsklub startet April ohne Vorstand, doch die Altlasten bleiben.
Warum jetzt der komplett-rücktritt?
Die Formulierung im Rücktrittsschreiben ist so nüchtern wie vernichtend: „strukturelle und personelle Möglichkeiten fehlen“. Dahinter steckt der Glanzverlust eines einstigen Bundesliga-Störenfrieds. Der Bestechungsskandal um Glasfaser-Aufträge hat die Kasse geplündert, die Sponsoren verprellt, die Mitglieder verunsichert. Wer heute im Ellenfeld sitzt, spürt: Der Verein ist nicht nur pleite, er ist entmachtet.
Becker, vom Amtsgericht Sulzbach eingesetzt, wird nun allein die Hebel bedienen müssen. Kein Vorstand, der ihm Sand ins Getriebe streut – aber auch keiner, der ihn mit Insiderwissen unterstützt. Die Trio-Garantie, „als Ansprechpartner erreichbar zu bleiben“, klingt nach Notnagel statt Strategie.

Stadionfrage wird zum zünglein an der waage
Die heißeste Debatte dreht sich ums Ellenfeld. Die Miete verschlingt sechsstellige Summen pro Jahr, während die Regionalliga-Abstiegszone näher rückt. Interne Papiere, die uns vorliegen, zeigen: Verkauf oder Zwangsversteigerung des Geländes würde Schulden von 2,3 Millionen Euro tilgen, ließe aber ein Loch in der Vereinsseele. Borussia ohne Ellenfeld – das wäre wie Köln ohne Dom.
Die Mitgliederversammlung, eigentlich für April geplant, verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Ohne Vorstand gibt es keinen, der die Tagesordnung freigibt. Ohne Tagesordnung kein Stimmtool für den Stadionausstieg. Ein Circulus vitiosus, der Becker kaltlächeln lässt: „Ich werde die Entscheidung treffen, wenn niemand sonst sie trifft.“
Die Regionalliga-Saison läuft indes weiter. Die U23 des 1. FC Saarbrücken gastiert am Wochenende im Ellenfeld – vielleicht zum letzten Mal unter dem alten Namen. Die Spieler wissen: Punkte nützen nur, wenn es 2027 überhaupt noch einen Klub gibt, der sie zählt.
Die Bilanz nach 180 Taten Insolvenz: kein Vorstand, kein Haushalt, kein Sponsor, dafür ein Stadion, das sich selbst nicht mehr trägt. Am 31. März verabschiedet sich nicht nur ein Vorstand – er drückt auf den Reset-Knopf einer Fußball-Ikone. Ob danach jemand den Rechner wieder hochfährt, entscheidet sich im April.
