Borroni: der shootingstar von rom, der die tribünen zum beben brachte
Rom, 1995. Ein Name hallte durch die Säle des Foro Italico, ein Name, der die Zuschauer auf die Bäume klettern ließ, um einen Blick auf ihn zu erhaschen: Corrado “Lucio” Borroni. Eine Geschichte, die so plötzlich begann, wie sie wieder verschwand – eine italienische Tennis-Fabel, die uns bis heute in Erinnerung bleibt.

Ein unerwarteter aufstieg aus den reihen
Es war keine Geschichte, die man sich ausdenken konnte. Ein Nobody, Corrado Borroni, geboren in Garbagnate, gerade mal 22 Jahre alt und Weltranglistenplatz 411, plötzlich im Hauptfeld der Italian Open. Er hatte sich über Satellite-Turniere und Challenger-Events gekämpft, ohne dabei wirklich herauszustechen. Doch in Rom, in dieser Woche im Mai, schien alles anders zu sein. Die Atmosphäre im Centrale war elektrisierend, als Borroni seine Gegner demütigte. Americo Venero, Marcelo Charpentier und Karim Alami – Namen, die in der Tenniswelt Gewicht hatten – fielen dem jungen Italiener zum Opfer.
Die Begegnung mit Kafelnikov war der Wendepunkt. Borroni, der sich über den Losentscheid amüsierte, besiegte den Russen und den Argentinier Carretero in einem Spiel, das die Fans in Ekstase versetzte. Die Tribünen tobten, die Menschen schrien seinen Namen, und Borroni schien auf einer Welle der Euphorie zu reiten. Doch dann kam Edberg. Der schwedische Champion bewies seine Klasse und beendete Borronis Traum.
Was geschah danach? Das ist die traurige Pointe der Geschichte. Borroni verschwand wieder aus dem Rampenlicht, kehrte zu den kleineren Turnieren zurück und erreichte nie wieder eine ähnliche Leistung. Die Bäume des Foro Italico waren stumm, die Rufe verstummten. Die kurze, intensive Zeit des Ruhms war vorbei. Die Frage, die bleibt, ist: Was wäre gewesen, wenn Borroni diesen Moment hätte konservieren können? Hätte er das Potenzial gehabt, ein großer Spieler zu werden?
Alessandra Giardini, Mitarbeiterin, berichtete in einem Artikel für Milano, dass Borronis Verletzung kurz vor dem Turnier eigentlich eine Absage hätte bedeuten müssen. „Ich habe beschlossen, trotzdem zu spielen, weil ich ein gutes Gefühl hatte“, sagte er. Ein gutes Gefühl, das eine Nation in Atem hielt und eine Tennisgeschichte schrieb – wenn auch nur für kurze Zeit.
