Boris becker lag neben klinsmann – und wurde zum heimlichen sechsten mann
30 Jahre danach rückt ein Detail ans Licht, das selbst eingefleischte Fußballnostalgiker aus dem Häuschen bringt: Boris Becker war bei der EM 1996 kein Zuschauer, sondern fast schon Kadermitglied. Statt auf dem Centre Court verband der Tennis-Blondschopf seine Bandscheiben im DFB-Lazarett von Londrien – und landete prompt zwischen Sammer, Kuntz und Helmer.
Was wie ein PR-Gag klingt, liest sich im neuen Buch „Wir Helden von Wembley“ als emotionale Achterbahn. Becker schreibt das Vorwort, liefert Gänsehaut statt Klischee: „Ich bin in den Armen von Stefan Kuntz aufgewacht – das sagt wohl alles.“ Die 272 Seiten kosten 24,99 Euro, erscheinen am 4. März und erzählen jede Kabinen-Geschichte, die nie das Stadion verließ.
Warum berti vogts den wimbledon-champion mitnahm
Der damalige Bundestrainer öffnete Tür und Bus-Tür. Becker durfte mitfahren, saß im Morgengrauen zwischen Nationalspielern, die sich gerade mit Müller-Wohlfahrt den Rücken einrenken ließen. „Einzelkämpfer“ nennt sich der Tennis-Star heute, doch genau diese Isolation machte die Sehnsucht nach Gemeinschaft größer. „Wenn einer wie Boris im Raum ist, dann willst du selbst auch ein Sieger sein“, zitiert das Buch Matthias Sammer.
Die Szene, die kein Kamera live einfing: Oliver Bierhoff trifft per Golden Goal, das Wembley erbebt – und Becker springt auf wie nach einem Ass im Tiebreak. Sekunden später stürmen die frischgebackenen Europameister seine Reihe, umarmen den Mann, der eigentlich nur wegen seiner Bandscheibe da war. „Ich habe Freundschaften geschlossen, die bis heute bestehen“, schreibt Becker. Zum 25-Jahre-Treffen lud man ihn ein – nicht als Promi, sondern als Erinnerung mit Muskeln.

Fredi bobic nennt ihn „teil der mannschaft“
Bobic erinnert sich, wie Becker die Zweifel weg-lachte. Klinsmann sagt: „Er hat uns durch all die Zweifel gepusht.“ Das Buch liefert bisher unveröffentlichte Fotos: Becker mit der Queen im Nacken, Becker mit Pokergewinner-Grinsen, Becker mit Franz Beckenbauer am Tisch, bis der Champagner warm wurde. Der Mythos vom „Sechsten Mann“ wird zur Legende – und zum Beweis, dass Sport nicht nur verbindet, sondern manchmal auch heilt.
Am 30. Juni jährt sich der zweite EM-Titel der Deutschen zum 30. Mal. Die meisten Spieler sind längst Trainer, TV-Experten oder Unternehmer. Becker ist Kommentator, Investor, Vater – und immer noch der Held von Wembley, der nie auf dem Platz stand, aber mitten im Torjubel landete. 24,99 Euro für 272 Seiten Gänsehaut? Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass dieser Sommer 1996 keine Klimaanlage, dafür aber ein Golden Goal und einen Tennisspieler im deutschen Bus hatte.
