14 Punkte rückstand? sportfreunde siegen reichen trotzdem 3-liga-lizenz ein
Die Sportfreunde Siegen spielen in der Regionalliga West, liegen 14 Zähler hinter Platz eins – und haben trotzdem die Lizenz für die dritte Liga beim DFB abgeliefert. Das klingt verrückt, ist aber wahr. Der Klub will für den „Fall der Fälle“ gewappnet sein, wie Geschäftsführer Matthias Georg einräumt. Sportlich sei der Aufstieg „sehr unwahrscheinlich“, doch der Verein denkt längst wieder größer.
Vom westfalenliga-drama bis zur lizenzunterlage
Vor drei Jahren rettete Siegen am letzten Spieltag den Klassenverbleib in der fünftklassigen Westfalenliga. Heute diskutiert der Vorstand mit der Stadt, wie man ein Stadion auf 3-Liga-Niveau hebt. Die Lizenzunterlagen, am Montagabord termingerecht beim DFB, sind dabei nicht nur Formsache. Sie sind ein Stresstest für Kassenberichte, Sicherheitskonzepte und Infrastruktur – ein Probedurchlauf für die Zukunft, selbst wenn es 2024 nicht klappen sollte.
Die Saison selbst liest sich wie ein Krimi. Neun Spiele, keiner verloren – so starteten die Sportfreunden. Die Zweitplatzierten Rot-Weiss Essen schauten nach hinten auf. Dann ein Herbst mit nur einem Sieg aus sieben Partien, Coach Thorsten Nehrbauer musste gehen. Michael Schommers übernahm, kassierte in vier Spielen nur eine Niederlage, doch die Lücke nach oben blieb.

Warum der verein trotzdem träumt
Roland Schöler, Erster Vorsitzender, schwärmt nicht vom Aufstieg, sondern vom Prozess: „Wir wollen wissen, wo wir stehen.“ Die Antwort: Die Jugendakademie erfüllt bereits 3-Liga-Kriterien, das Leimbachstadion nicht. Investitionen in Flutlicht, Kameratechnik, VIP-Bereich und Rollstuhlplätze stehen an. Die Stadt Siegen ist dabei, die Sponsoren auch. Hauptsponsor Siegenia zog die Option, den Vertrag bei Ligahochstufung automatisch zu verlängern, bereits vor.
Ein Blick auf die Tabelle zeigt, warum der Traum nicht ganz abgeschrieben ist. Spitzenreiter Borussia Dortmund II hat 50 Punkte, Siegen 36. Zwölf Spieltage sind noch zu absolvieren. Theoretisch 36 Zähler zu holen. Praktisch müssten die Westfalen eine Siegesserie hinlegen, während die Konkurrenz strauchelt. Eine Aufgabe, selbst für Optimisten wie Schöler, „die Wahrscheinlichkeit liegt im Promillebereich“, sagt er trocken.
Dennoch: Der Klub hat sich selbst neu erfunden. Die Lizenz ist kein Ausflug in Selbstüberschätzung, sondern ein Kompass. Wo fehlt Video-Wall? Wie viele Polizisten sind nötig? Welche Pflichten hat ein Geschäftsführer in der Profiliga? Fragen, die Siegen 2027 oder 2028 treffen könnten, wenn der nächste Anlauf kommt.

Der nächste gegner ist realistischer
Am Sonntag gastiert Fortuna Düsseldorf II im Leimbachstadion. Kein Spiel für Ligaträume, aber ein Gradmesser für den Aufsteiger. Mit einem Sieg würde Siegen die Tordifferenz auf plus eins hieven und sich auf Platz sechs festsetzen – solide Mittelfeld-Terrain, genau dort, wo man nach der Wintervorbereitung wieder landen will. Schommers testet derweil die 3-5-2-Formation, weil Innenverteidiger Linus Sieg nach Gelb-Sperre zurückkehrt und Linksverteidiger Nico Guggemos seine Adduktoren entlastet bekommt.
Am Spielfeldrand steht ein neues Banner: „Nächster Halt: 3. Liga.“ Die Fans wissen, dass es ein langer Weg wird. Aber sie feiern schon mal die Tatsache, dass ihr Klub überhaupt den Fahrplan ausgelegt hat. Und sollte der DFB irgendwann tatsächlich anrufen, ist Klaus Schäfer vom TSV Pelkum Sportwelt vor Ort – weil Sportgeschichte selten vorhersagbar ist und manchmal eben doch 14 Punkte nur ein Zwischenstopp sind.
