Bordalás lässt getafe wieder fliegen: kein champions-gedanke, nur sieg
José Bordalás trat nach dem 1:0 gegen Athletic Club vor die Mikros und schmetterte jeden Europacup-Kalkulator mit einem Satz: „Wir denken nicht an die Tabelle, wir denken ans nächste Spiel.“
Keine mathe-fragen, nur fußball
Der Trainer des Getafe CF redete nicht von Rettung oder Europa League, obwohl seine Mannschaft seit Wochen in beiden Tabellen spielt. „Mathematisch ist gar nichts sicher“, sagte er und strich sich mit der Hand durch das grau melierte Haar. „Was die Jungs leisten, ist eine Sauerei – im positiven Sinn.“
Der Koloss von Madrid, der im Januar noch auf Abstiegsplätzen döste, hat seitdem sieben von neun Partien gewonnen. Gegen Athletic gab es null Torschüsse der Gäste – erstmals in dieser Saison. „Dass Athletic dich nicht mal trifft, das schreit nach Arbeit, nach Hingabe, nach einem Verein, der endlich wieder glaubt“, so Bordalás.

Winter-neuzugänge wurden sofort heiß
Luis Vázquez und Facundo Satriano, beide im Winter gekommen, schlugen sich in die Kultur des Klubs wie Bolzen in Stahl. „Die Jungs haben keine Minute gezögert, sie haben gefragt: Was muss ich zerstören, was muss ich verteidigen?“, berichtete Bordalás. Die Kabine habe sie sofort aufgenommen, „wie eine große Familie, die weiß, dass jeder neue Sohn mitkämpfen muss“.
Die Fans sangen nach Abpfiff „¡A por ellos!“ – ein Kriegsruf, der früher verpönt war. Jetzt wird er gegrölt, weil Getafe in elf Tagen beim Stadtrivalen Levante antreten muss. Bordalás: „Wir genießen den Sieg zwei Stunden, dann schauen wir auf Levante. Mehr Plan erlaube ich nicht.“
Die Champions League? Ein Wort, das er weglächelte. „Letzte Saison dachten alle, wir seien gerettet, nachdem wir in Valladolid gewannen. Dann plumpsten wir runter und musuten in der Vorletzten Runde zittern.“ Er schnippte mit den Fingern. „So schnell kann’s gehen.“
Die Statistik spricht trotzdem für sich: Getafe kassierte in den letzten fünf Spielen nur einen Gegentreffer – aus einem Elfmeter. Das Torverhältnis hat sich von minus acht auf plus zwei gedreht. Und die Rivalen schauen plötzlich nach oben, nicht mehr nach unten.
Bordalás verabschiedete sich mit einem Satz, der in den Katakomben des Coliseum Alfonso Pérez nachhallte: „Wenn du in Spanien überlebst, dann nicht durch Rechnen, sondern durch Schweiß.“ Dann verschwand er Richtung Kabine – und ließ die Journalisten mit ihren Taschenrechnern allein.
