Bologna zerreißt die favoritenrolle: villa-park wird zur falle
Klaus Schäfer, Birmingham – Kaum hat der Schiedsrichter den Ellbogen von Lewis Ferguson am 25. September im Villa Park gepfiffen, flüsterte die Tribüne: „Die sind erbarmungslos.“ Genau diese Erbarmungslosigkeit bringt den FC Bologna jetzt zurück nach England – und diesmal nicht als Statist, sondern als Mörder der Außenseiterromantik.
Die Zahlen sind ein Witz: Aston Villa hat alle sieben Europa-League-Spiele gewonnen, Bologna ist seit elf europäischen Partien ungeschlagen. Trotzdem zahlt die Wette auf einen Heimsieg der Rossoblù am 9. April im Dall’Ara 3,10 – ein Kurs, der sich morgen wie ein Schnäppchen anfühlen wird. Denn wer die 0:2- und 0:1-Niederlagen der vergangenen Saison analysiert hat, weiß: Bologna war nie das schwächere Team, nur das unaufmerksamere.
Italiano hat die angst abgeschafft
Trainer Vincenzo Italiano schickte seine Mittelfeldmaschine in den letzten beiden Serien-A-Spielen mit einer Aufgabe auf den Rasen: „Macht die Lücken so groß wie in Birmingham, aber lasst diesmal die Killer-Instinkt folgen.“ Das Ergebnis: sechs Tore, zwei Siege, null Gegentor. Das Mittelfeld-Duo Ferguson-Freuler läuft wieder mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks, und Odgaard hat sich nach seiner Sprunggelenkspause als zweite Spitze hinter Zirkzee positioniert – ein System, das Villa-Coach Unai Emery noch nicht gesehen hat.
Die Quote für „Beide Teams treffen“ fällt bei den Buchmachern auf 1,78 – ein Wink mit dem Zaunpfahl. Denn Villa mag zwar in der Premier League die meisten Konter nach Standardsituationen erzielt haben, doch genau diese Standards hat Bologna in der laufenden Europa-League-Saison zur Chefsache erklärt: 42 % der eigenen Tore fielen nach Eckbällen oder Freistößen. Wenn McGinn und Luiz morgen wieder zu tief stehen, trifft Calafiori mit dem Kopf – garantiert.

Die wette, die sich selbst erfüllt
Laut AdmiralBet springt der „Over 0,5“ für Neukunden von 1,08 auf 8,00 – ein Marketing-Gag, der aber die Stimmung im Dall’Ara anheizt. Denn schon beim Warm-up wird die Curva nord skandieren: „Un gol lo facciamo sempre.“ Tatsache: Bologna hat in 18 der letzten 19 Pflichtspiele getroffen. Die einzige Ausnahme? Das 0:0 gegen Inter – und selbst da schlug der Pfosten zweimal.
Emery wird seine Startelf rotieren, das hat er nach dem 3:0 gegen Brighton angekündigt. Watkins soll schonen, Duran beginnt. Aber Duran braucht drei Ballkontakte, um heiß zu werden – und genau diese Zeit lässt Bologna nicht zu. Die Presse der ersten zehn Minuten hat Italiano in der Woche auf dem Trainingsplatz mit Stoppuhren geprobt. Ergebnis: durchschnittlich 5,3 Sekunden von Ballverlust zur ersten Zweikampfaktion. Für Diego Carlos wird das ein langer Abend.
Am Ende zählt nur die Tabelle – und die Moral. Bologna hat beides in der Hand. Die 3,10-Quote auf den Heimsieg ist kein Bärendienst, sondern eine Einladung, die Geschichte umzuschreiben. Wer jetzt noch auf Villa setzt, hat die letzte Saison verschlafen.
