Boehly packt aus: chelsea kaufte cucurella blind nach city-interesse

Was ist 65 Millionen Euro wert, wenn der Klubchef zugibt, keinen blassen Schimmer vom Fußball zu haben? Bei Chelsea genau 148 Spiele und 21 Torbeteiligungen von Marc Cucurella – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Todd Boehly, Mitbesitzer der Blues, lieferte auf der iConnections-Konferenz den Gipfel der Transparenz: „Ich saß den Sommer über als Interims-Sportdirektor fest und hatte keine Ahnung, was einen guten Fußballspieler ausmacht.“ Die Begründung für den teuersten Linksverteidiger der Vereinsgeschichte? „Wenn ManCity ihn will, will ich ihn auch.“ Fertig war die Logik eines Milliarden-Deals.

Ein blick auf die zahlen hinter dem impulskauf

Die Ablöse von 65 Millionen Euro war damals der dritthöchste Einkauf der neuen Boehly-Ära, direkt nach Wesley Fofana und Enzo Fernández. Cucurella kam als Europameister der U-21, aber mit lediglich zwei Saisons Premier-League-Erfahrung. Die erwartete Offensivpower blieb aus: In 77 Ligaspielen steuerte der Spanier nur fünf Torvorlagen bei. Dennoch: Seine Laufdistanz pro Spiel (11,2 km) und die Zweikampfquote (56 %) sichern ihm Stammplätze unter verschiedenen Trainern.

Der Klub zahlte nicht nur die Summe an Brighton, sondern auch eine Beratergebühr von rund fünf Millionen Euro sowie eine Gehaltsstruktur, die Cucurella bis 2028 auf 180 000 Pfund pro Woche bringt. Rechnet man alle Kosten zusammen, kostet jedes seiner 148 Einsätze bisher etwa 470 000 Euro – ohne Inflation.

War der zufallstreffer ein modell für die zukunft?

War der zufallstreffer ein modell für die zukunft?

Chelsea hat seit 2022 über 1,2 Milliarden Euro in neue Spieler gesteckt, die Mehrheit davon unter Boehly. Die Transferstrategie basierte lange auf denselben Prinzipien: Jung, verkaufbar, von Konkurrenten umworben. Beispiel: Mykhailo Mudryk, 22 Jahre alt, Arsenal war interessiert, Chelsea zahlte 70 Millionen plus 30 Millionen Boni – bislang sieben Torbeteiligungen in 48 Pflichtspielen. Die Quote liegt damit noch unter Cucurellas.

Mittlerweile hat der Klub ein echtes Daten-Department aufgebaut: 35 Analysten arbeiten mit KI-Modellen, die Bewegungsmuster auswerten und Verletzungsrisiken berechnen. Die Cucurella-Ära der Bauchentscheidungen ist offiziell vorbei. Ob das reicht, um aus der Vielzahl an Talenten auch Ertrag zu ziehen, wird sich in den nächsten zwei Transferfenstern zeigen.

Für den Spieler selbst bleibt die Bilanz dennoch positiv: Er gewann 2023 mit Spanien die Nations League, stand im Champions-League-Viertelfinale und ist heute Kapitänsvertreter. Die Karriere profitierte von Boehlys damals rücksichtsloser Neugier – ein Luxus, den sich moderne Klubs künftig nicht mehr leisten können.

Chelsea-Fans mögen über die Herkunft der Idee spotten, doch die Tabelle lügt nicht: Mit Cucurella auf Linksverteidiger kamen die Blues in der abgelaufenen Saison auf die drittbeste Defensive der Liga. Manchmal reicht das Gesetz der großen Zahl – und ein Blick auf den Erzrivalen.