Bluttest stellt schädel-hirn-trauma in minuten fest – das ende der verpassten diagnosen

Ein kaputtes Schädel-Hirn-Trauma, das auf der CAT nicht sichtbar war? Das passiert täglich auf Sportplätzen und Straßen. Chiara Di Resta schickt jetzt ein paar Tropfen Blut ins Rennen – und liefert Antworten, bevor der Rettungswagen eintrifft.

Warum der neue bluttest im sport sofort verpflichtend werden muss

Warum der neue bluttest im sport sofort verpflichtend werden muss

Die Klinik-Pathologin von der Mailänder Uni Vita-Salute San Raffaele deckt auf, was jeden Trainer kalt lässt: Nach einem harten Schlag auf den Kopf wandern Moleküle aus dem Gehirn in die Blutbahn. Drei Biomarker – GFAP, UCH-L1 und NFL – steigen messbar an, lange bevor Symptome wie Kopfschmerz oder Übelkeit einsetzen. Die Konsequenz: Ein Stich in den Finger reicht, um innerhalb von 15 Minuten zu wissen, ob das Spiel für den Athleten vorbei ist oder ob er weitermachen darf.

Bisher war alles Glückssache. Die CAT zeigt nur große Blutungen, bringt Strahlung mit und kostet kostbare Zeit. „In 30 Prozent der leichten Schädel-Hirn-Traumen liefert die Bildgebung falsche Beruhigung“, sagt Di Resta. Ihre Methode liefert keine Bilder, sondern harte Zahlen – und entlastet Radiologie sowie Notaufnahmen. Erste Studien an Fußballprofis ergeben eine Trefferquote von 97 Prozent, selbst wenn der Spieler noch völlig asymptomatisch wirkt.

Der Preis pro Test liegt bei unter 30 Euro. Das klingt nach Kleingeld, verglichen mit dem Schmerzensgeld, das Klubs zahlen, wenn ein zweiter Schlag nach einem übersehenen ersten Hirntrauma lebenslange Folgen nach sich zieht. Die FIFA prüft laut Insidern bereits, ob der Point-of-Care-Test zur Pflicht wird – ähnlich dem Doping-Test nach dem Spiel.

Di Restas Labor hat inzwischen 2 000 Proben von Amateur- bis Spitzensportlern ausgewertet. Das Ergebnis: Je früher der Marker nachweisbar ist, desto höher die Wahrscheinlichkeit späterer Konzentrationsstörungen. Kurz gesagt: Wer nach dem Schlag noch auf dem Feld steht, aber positives Blut hat, riskiert nicht nur seine Karriere, sondern sein Leben.

Die Industrie reagiert. Ein Hamburger Medizintechnik-Startup bringt im Herbst ein mobilles Gerät auf den Markt, das per Klick aufs Smartphone den Wert an den Teamarzt sendet. Kein Kabel, kein Labor, keine Ausrede mehr. Wer dann noch sagt „Weiterspielen kann nicht schaden“, hat die Kontrolle über sein Gehirn bereits verloren.