Blübaum jagt den wm-traum: kandidatenturnier auf zypern beginnt

Matthias Blübaum ist der Mann der Stunde. Der 27-jährige Großmeister aus Lemgo ist der erste deutsche Teilnehmer am Schach-Kandidatenturnier seit 35 Jahren und will vom 29. März an auf Zypern für die Sensation sorgen. Sein Ziel: der Sieg gegen sieben Weltklassespieler und die damit verbundene Teilnahme an der WM gegen Weltmeister Gukesh.

Die favoriten und ihre schwächen

Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura dominieren die Weltrangliste, doch das Kandidatenturnier folgt eigenen Gesetzen. Caruana schaffte es 2018 bereits einmal ins Finale, verlor dort aber gegen Carlsen. Nakamura spielt brillant, doch sein Temperament kann zur Falle werden. Praggnanandhaa gilt als Toptalent, doch seine aktuelle Form lässt Fragen offen. Anish Giri trägt das Etikett des ewigen Viertplatzierten - zu oft spielt er auf Sicherheit.

Die größten Unbekannten sind Javokhir Sindarov und Wei Yi. Beide sind 20 Jahre jung, spielen aggressiv und ohne Rücksicht auf Verluste. In einem Turnier, bei dem nur der erste Platz zählt, könnte genau diese Eigenschaft der Schlüssel zum Erfolg sein.

Blübaums außenseiterchancen

Blübaums außenseiterchancen

Mit einem Elo-Rating von 2.700 Punkten ist Blübaum nominell der Außenseiter. Doch das täuscht. Der Deutsche macht weniger Fehler als seine Konkurrenten und profitiert von deren Übermut. Gegner unterschätzen ihn, weil sie seinen Namen nicht mit Weltklassespielern verbinden. In Wijk aan Zee bewies er, dass er gegen die Besten der Welt mithalten kann. Sein Solides Spiel könnte gerade in den letzten Runden zum Trumpf werden, wenn die Nerven blank liegen.

Die Qualifikation war kein Zufall. Blübaum arbeitet systematisch an seinem Spiel, analysiert seine Gegner akribisch und nutzt jede Schwäche aus. In einem Turnier mit 14 Runden und nur einem Ruhetag zählt Ausdauer mehr als Genialität.

Das format der extremen

Das format der extremen

Das Turnier ist ein Marathon. Vierzehn Runden im Doppelrundensystem bedeuten 28 Partien in 21 Tagen. Die Bedenkzeit von 120 Minuten für die ersten 40 Züge plus 30 Minuten für den Rest ist knapp kalkuliert. Kein Remis vor dem 41. Zug erzwingt Entscheidungen. Bei Punktgleichstand droht der Tie-Break mit noch kürzerer Bedenkzeit.

700.000 Euro Preisgeld locken, aber der eigentliche Gewinn ist unschätzbar: das Recht, gegen Gukesh um den Weltmeistertitel zu spielen. Der 19-jährige Inder ist nach seinem WM-Triumph 2024 in der Weltrangliste abgestürzt - ein psychologischer Vorteil für den Herausforderer.

Sicherheitslage spaltet die teilnehmer

Sicherheitslage spaltet die teilnehmer

Die Hisbollah-Angriffe auf britische Militärbasen auf Zypern sorgen für Unruhe. Koneru Humpy sagte als erste Teilnehmerin ab, Nakamura kritisierte den Austragungsort öffentlich. Stromausfälle und ein abgelehntes Verlegungsangebot aus Deutschland zeigen: Die FIDE setzt auf Durchhalteparolen statt Spielerschutz.

Blübaum bleibt gelassen. Für ihn zählt nur das Brett. Dort kennt er keine Kompromisse. Wenn er seine Linie durchzieht und die Großen unter Druck setzt, könnte der Außenseiter zum Liebling der Zuschauer werden. Das Kandidatenturnier hat seine eigenen Gesetze - und Blübaum kennt sie alle.