Blessins tirade nach st. pauli-pleite: „wir spielten gegen zwölf mann“
Der FC St. Pauli schlägt sich mit dem Schiedsrichter, mit sich selbst – und bleibt trotz Rauschempfang und Pyro tief in der Abstiegsfalle. Das 1:2 gegen Freiburg brennt. Trainer Alexander Blessin spricht von „Respektlosigkeit“ und wirft Referee Florian Badstübner vor, das Spiel gekippt zu haben.
60 Minuten lang dominierte der Kiez-Klub, Danel Sinani köpfte die Gastgeber in Führung. Die Südkurve sang, das Millerntor bebte. Dann kam Igor Matanovic – einst selbst St. Paulianer – und traf zweimal. Aus 1:0 wurde 1:2. Die Hamburger rutschen auf Platz 16, Relegation pur.
Matanovic dreht das spiel – und den kopf
Die erste Stunde gehörte St. Pauli. Die letzte halbe Stunde gehörte Matanovic. Drehung, Schuss, 1:1. Viertelstunde später die Vollendung zum 2:1. Freiburg, drei Tage nach dem 5:1 gegen Genk in der Europa League, beendet seine Negativserie. St. Pauli beendet nichts.
Es war Matanovics fünfter und sechster Saisontreffer – und sein persönlicher Schockmoment. „Ich kenne jeden Zentimeter dieses Platzes“, sagte er später, „aber heute musste ich ihn verletzen.“

Blessin kocht – und entschuldigt sich sofort
Schon bei DAZN donnerte der Coach: „Wir haben nicht gegen elf gespielt, sondern gegen zwölf.“ Er spuckte die Worte genau so aus, wie man es vom Millerntor kennt – hitzig, unverblümt. Dann die zweite Ladung: „Wenn mir ein Schiri Gelb gibt und höhnisch grinst, ist das respektlos.“
Keine 30 Minuten später die Kehrtwende auf der Pressekonferenz: „Die Aussage war nicht clever. Kam aus der Emotion, das muss man mir zugestehen.“ Trotzdem hängt der Verdacht in der Luft, dass drei Zweifelshaftes vor dem 1:1 – Badstübner ließ weiterspielen – den Kipppunkt markierten.

Grifo feiert jubiläum, freiburg feiert können
Für Vincenzo Grifo war es Spiel Nummer 300 in der Bundesliga. Der Italiener dirigierte, dribbelte, schoss schon nach 19. Minuten knapp drüber. Freiburg blieb auch nach dem Lucky-Punch aktiv, ein abseitsgeätzter Treffer von Cyriaque Irié (74.) wäre fast das 3:1 gewesen.
Die Breisgauer springen auf Platz sieben, Pokal-Halbfinale am Horizont. St. Pauli dagegen muss nach elf Spielen ohne Sieg wieder von vorn beginnen. Die Relegationsplätze sind keine Drohkulisse mehr – sie sind Realität.
Die Saison hat noch sieben Spieltage. Für St. Pauli zählt nur noch eins: Sieg oder 2. Liga. Die Fans werden wieder Pyro zünden. Der Club muss endlich Tore verhindern – und vielleicht mal den Zwölften Mann finden, statt gegen ihn anzukicken.
