Blessin zahlt 10.000 euro: dfb verdonnert st.-pauli-coach nach schiri-tirade

Der Knall kommt knapp 48 Stunden nach der Niederlage gegen Freiburg: Der DFB lässt Alexander Blessin bluten – 10.000 Euro Strafe, weil er Schiedsrichter Florian Badstübner nach dem 1:2 öffentlich diffamierte. Das Sportgericht urteilt „wegen unsportlichen Verhaltens“, das Urteil ist rechtskräftig.

Der satz, der alles auslöste

„Wir haben nicht gegen elf Mann gespielt, sondern gegen zwölf – und das war der Schiedsrichter.“ Die Worte flogen live bei DAZN aus Blessins Mund, noch aufgeheizt von einer Schlussphase, in der ihm Badstübner laut eigener Aussage „höhnisch“ ein Gelb zeigte. Drei Freiburger Zweikämpfe vor dem 0:1 hatte der Referee durchlaufen lassen – für den St.-Pauli-Trainer ein Muster, das ihn in Rage versetzte.

Die Reue folgte auf dem Fuß. In der Pressekonferenz zog Blessin zurück: „Die Aussage war nicht clever, das muss man mir zugestehen.“ Doch der DFB spielt keine Sündenfalle. Paragraph 4.1 der Richterrichtlinien ist klar: Wer die Unparteilichkeit eines Offiziellen offen anzweifelt, zahlt. Und zwar sofort.

Warum gerade jetzt jede emotion teuer wird

Warum gerade jetzt jede emotion teuer wird

Der FC St. Pauli schwimmt im Abstiegskampf, drei Spieltage sind noch zu gehen, der Rückstand auf das rettende Ufer beträchtlich. Jeder Punkt wiegt Gold, jede Provokation ist Risiko. Für Blessin heißt das: auf der Bank sitzen, aber die Klappe halten – sonst droht neben dem finanziellen Einschlag auch noch eine Sperre.

Die Kasse des Klubs ist ohnehin klamm. 10.000 Euro für einen Ausrutscher – das entspricht in etwa dem Jahresgehalt eines U-21-Spielers. Manager Andreas Bornemann muss die Summe aus dem Etat für die Nachwuchsförderung ziehen, die Lizenzspielerabteilung darf sie nicht stemmen. Eine interne Arbeitsanweisung verbietet künftige TV-Interviews direkt nach Abpfiff; künftig darf nur noch der Kapitän sprechen.

Die szene, die badstübner ins zentrum rückte

Die szene, die badstübner ins zentrum rückte

Minute 78: Jackson Irvine geht im Mittelfeld zu Boden, Badstübner winkt ab, Freiburg kontert, Höler trifft zum 2:1. Blessin tobt an der Seitenlinie, bekommt Gelb, grinst den Referee an – und lächelt zurück, sagt er. Für den DFB ist das reine Wahrnehmungssache, aber der Eindruck zählt. Video-Beweise gibt es für den Vorgang nicht, die Kamera war auf den Ball fokussiert.

Bis Saisonende wird Blessin jeden Schritt auf dem Rasen abwägen müssen. Beim nächsten Fehlverhalten droht laut DFB-Mitteilung „eine deutlich verschärfte Sanktion“. Sprich: Sperre und noch höhere Gelder. Die Millerntor-Fans haben schon ein Spendenkonto eröffnet – 3.200 Euro kamen bis Mittwochabend zusammen. Der Coach selbst wird am Donnerstag wieder auf dem Trainingsplatz stehen, die 10.000 Euro hat er laut Verein „sofort überwiesen“. Mit der bitteren Gewissheit: Worte können Spiele kosten – und manchmal eben auch eine ganze Saison.