Birte brüggemann stürmt nach 19 jahren aus bremen aus – nachfolge eilt

Werders Frauen-Fußball verliert ihre Architektin. Birte Brüggemann, 55, verabschiedet sich nach 19 Jahren aus dem Weser-Stadion – und hinterlässt eine Lücke, die größer ist als jede Abwehr.

Der austritt kommt zur unzeit

Der austritt kommt zur unzeit

Sechster Platz in der Bundesliga, Nachwuchsakademie auf Platz eins der Lizenz-Rangliste, 1.500 Mädchen im Leistungszentrum: Das ist das Erbe der Bremerin, die einst als Spielerin den Klub gründete und nun im gegenseitigen Einvernehmen aufbricht. „Nach intensiven Gesprächen über die zukünftige Ausrichtung der Abteilung“, so die knappe Pressemitteilung, habe sie den Wunsch nach „Veränderung“ geäußert. Klarer klingt das intern: Brüggemann wollte mehr Budget, mehr Professionalisierung, mehr Durchgriffsrecht. Der Vorstand zögerte, die Zeit drängt – Sponsoren wollen Planungssicherheit.

Die Folge: eine Macht vacuum, das in der Frauen-Bundesliga selten lange ungestraft bleibt. Drei Top-Talente haben bereits ihre Ablöse eingeklagt, sobald die Winter-Transferperiode öffnet. Der Nachfolger oder die Nachfolgerin muss also schnell kommen, sonst droht der Absturz aus den internationalen Rängen. Werder kündigt eine „zeitnahe“ Lösung an, intern kursieren zwei Namen: Maren Meinert, Ex-Nationalspielerin und Projektmanagerin beim DFB, sowie Thomas Gerster, der bei Hoffenheim die Infrastruktur aufstellte und nach Bremen zurückkehren will. Beide stehen unter Vertrag – teuer, aber alternativlos.

Was niemand laut sagt: Brüggemanns Abgang zerreißt auch die Kommunikationskette zwischen Profimannschaft, U17 und Elternbeirat. Sie sprach fließend Spanisch, Englisch und Platt, schlichtete Streitigkeiten vor dem Frühstück und kannte jedes Talent beim Vornamen. Eine 55-Jährige, die WhatsApp-Gruppen moderierte und Sponsoren-Pitches schrieb – das gab es nur einmal. Ihre Nachfolge ist deshalb keine Personalie, sondern eine Frage der Identität des gesamten Klubs.

Die Uhr tickt. Die Lizenzfrist endet am 31. März, der Kaderplan für die neue Saison steht offiziell still. Wenn Werder bis dahin keine Handlungsfähigkeit beweist, droht der Lizenzentzug – und mit ihm der Verlust von 1,2 Millionen Euro Fördergeld. Birte Brüggemann hat den Klub einst vor dem Aus bewahrt, nun könnte ihre Abwesenheit zum Risiko werden. Bremen muss handeln, sonst verflüchtigt sich das Mädchen-Fußball-Projekt, das sie aufgebaut hat, in Luft von gestern.