Binda-trophäe 2025: longo borghini gegen vos – das duell, das italien erbebt

Cittiglio zittert. Um 12.45 Uhr donnern 137 Radkränze über den Startbogen von Luino, und wieder einmal ist das Dorf am Lago Maggiore Schauplatz der stärksten Frauen-Elite der Welt. Elisa Longo Borghini trägt die Trikola, doch die Königin fühlt den Atem von Marianne Vos im Nacken – vier Siege hat die Niederländerin hier eingefahren, zuletzt 2019. Die 27. Auflage des Trofeo Alfredo Binda verspricht ein Rennen auf Rasierklinge: 150 km, 2.100 Höhenmeter, ein Zielhang, der Träume zerreißt.

Startliste liest sich wie ein weltmeisterschaftsprotokoll

Die Namen sind ein Who-is-Who des Pelotons: Weltmeisterin Simone Boilard-Vallières aus Kanada, Katarzyna Niewiadoma, die Pole mit dem unstillbaren Attackiersinn, Lotte Kopecky, Anna van der Breggen – und mit Ricarda Bauernfeind die einzige deutsche Hoffnung, die dieses Jahr in Cittiglio an den Start geht. Fehlen wird Elisa Balsamo, die 2025 hier triumphierte, doch ihre Ineos-Kollegin Elisa Longo Borghini will nach 2013 und 2021 den dritten Binda-Stern aufdrücken.

Die Strecke ist ein Klassiker der Grausamkeit: Nach dem Start in Luino geht’s sofort über die Madonnina, dann folgen die Anstiege di Casalzuigno, Bedero und Orino. Wer hier zögert, fliegt raus aus der Entscheidung. Die letzten 30 Kilometer sind ein Dauerauf und Ab, ehe der finale 500-Meter-Anstieg nach Cittiglio mit 7 % Steigung die Beine zur Gelee werden lässt. „Es ist wie eine Mini-Flandern mit italienischem Temperament“, sagt Sportdirektorin Egon van Kessel, „wer hier nicht positioniert ist, kann sich die Saison abschminken.“

Juniorenrennen als glücksfall für den nachwuchs

Juniorenrennen als glücksfall für den nachwuchs

Bevor die Elite durchs Ziel fegt, jagt schon um 9 Uhr die Junioren-Nationalmannschaft 163 Mädels über denselben Asphalt. 29 Teams, darunter Deutschland, Spanien, Polen und ein Mixed-Team aus Österreich-Luxemburg, liefern sich ein Vorspiel, das mehr ist als nur Lückenfüller. „Wir haben hier schon Future Stars entdeckt“, erklärt Organisator Mario Minervino, „für viele ist der Piccolo Binda der erste Kontakt mit dem internationalen Parkett.“

Die Bedeutung des Rennens übersteigt längst die reine Sportlichkeit. Mit „Pedala, Pedala… in Sicurezza!“ haben Tausende Grundschulkinder Verkehrserziehung auf dem Sattel gelernt, das kurze Museumsvideo „Vieni al Museo Binda!“ lässt den Mythos des ersten großen modernen Radhelden wieder aufleben. Cittiglio verwandelt sich an diesem Sonntag in ein Mekka des Frauensports – und die Bürger feiern, als wäre Alfredo Binda selbst wieder in die Pedale getreten.

Die Uhr tickt. In wenigen Stunden entscheidet sich, wer 2025 den Binda-Kragen trägt. Longo Borghini will ihre Heimspiel-Statistik ausbauen, Vos den fünften Triumph einfahren. Die Wetter-App zeigt 14 Grad und Sonne – ideale Bedingungen für ein Drama auf zwei Rädern. Wer zuletzt lacht, liegt oben auf dem Podest – und unten in den Geschichtsbüchern.