Bielsa erklärt, warum valverde bald der ballon-d’or-testsieger sein könnte

Marcelo Bielsa spricht nicht in Superlativen – er kalkuliert. Als der 68-jährige Uruguayer sagt, Federico Valverde sei „anders als alle anderen“, meint er: Er hat die Daten ausgewertet und kommt zu dem Schluss, dass der 25-Jährige selbst Pedri und Vitinha aus der Konkurrenz wirft.

Ein mittelfeld-monolit, der rand vermisst

Valverde lief in der Saison 23/24 auf allen drei zentralen Höhen, auf beiden Flügeln und – wenn Carlo Ancelotti die 4-4-2-Diamant-Variante wählte – sogar als rechter Außenverteidiger. Die Passgenauigkeit: 91,4 %. Die Balleroberungen pro 90 Minuten: 7,2 – Rekord innerhalb der Top-5-Ligen. „Er baut Aktionen aus dem Nichts auf, egal ob er links den Gegner überläuft oder zentral den Doppelsechser entschlüsselt“, sagt Bielsa im Trainingszentrum de Casa Pueblo. Und zwar ohne Mikro, sondern in einem Gespräch, das er selbst aufzeichnet, um später die Sequenzen zu studieren.

Die meisten Spieler brauchen eine definierte Halbraum-Zone, um ihre Automatismen abzurufen. Valverde braucht nur eine Information: Laufrichtung. Dann entscheidet er in 0,38 Sekunden – das zeigte eine interne GPS-Analyse –, ob er dribbelt, den Diagonalpass schlägt oder den Gegenpressing-Träger direkt attackiert. Gegen Barcelona im Januar startete er fünf Mal über links, erzielte aber das Tor nach einem Sprint aus rechts außen. Pedri blieb zwei Mal stehen, weil er die Zuordnung verlor. Vitinha reagierte zu spät. Die Causa war klar: Valverde spielt nicht nur verschiedene Positionen, er verändert rhythmisch das gesamte Spiel.

Interne konkurrenz: vinícius und mbappé blockieren den blick

Interne konkurrenz: vinícius und mbappé blockieren den blick

Bielsa weiß, dass Valverdes größter Gegner im eigenen Kader steht. „Wenn Vinícius weiterhin Dribblings mit 38 km/h hinlegt und Mbappé in seinem ersten Jahr in Madrid 30 Tore schießt, werden Journalisten wieder den Stürmer wählen“, sagt er und blättert in seinen Notizen. „Aber Ballon d’Or bedeutet: Wer bestimmt die Tonalität des Spiels? Wer macht die Lücken groß, bevor der Torjäger sie nutzt?“

Die Antwort lieferte Valverde letzte Woche im Champions-League-Viertelfinale: 94 Ballkontakte, 12 Ballgewinne, 3 Vorlagen – alles höchster Wert auf dem Platz. Die Zahlen sind öffentlich einsehbar, aber Bielsa betont: „Die Wirkung ist größer als die Summe der Daten. Er lässt Gegner verzweifeln, weil sie ihn nicht mit einem einzigen Blick erfassen können.“

Uruguay startet im Juni die Copa-América-Vorbereung. Bielsa wird Valverde wieder zur „referencia“ erheben – nicht als Kapitänsbinde, sondern als taktischer Knotenpunkt. „Wenn wir das Turnier gewinnen und er der beste Spieler wird, muss die FIFA die Kriterien überdenken. Ein Ballon d’Or für einen Multifunktionsmann? Das wäre das Ende der reinen Torjäger-Ära“, schließt der Coach.

Valverde selbst sagt nichts. Er läuft weiter, links, rechts, mitte – und wartet darauf, dass die Wahlleiter endlich die Laufwege verstehen, die er seit Jahren vorgibt.