Betrunken durchs ziel: briten läuft mit 12 bier und jägermeister zu platz 67

Der Brite Gabriel Gledhill hat bei der 50-km-Langlauf-WM in Oslo nicht nur die Zielgerade gemeistert – sondern auch zwölf Bier, fünf Jägermeister und einen Schluck Mundwasser. Platz 67 von 69. Sein letzter Tanz auf norwegischem Schnee.

Abschied mit alkohol, weil das visum abläuft

Gledhill lebt seit fünf Jahren in Lillehammer. Dort trainiert er auf den perfekten Loipen, die Norwegen zu einer Langlauf-Macht gemacht haben. Doch das Einwanderungsamt sieht keinen „ausreichenden Verdienst“. Der 23-Jährige muss das Land verlassen – und damit seine Karriere beenden. Also beschloss er, sich mit einem letzten Ritt in Erinnerung zu rachen.

„Vielleicht ist das mein letztes Rennen hier“, sagte er nach dem Ziel, das er mit 1:29:13 Stunden erreichte – fast 20 Minuten nach dem Sieger. „Ich habe jede alkoholische Spende entgegengenommen. Schon beim dritten Schleifchen hatte ich einen Bierbauch.“

Spektakel statt stillstand

Spektakel statt stillstand

Die Zuschauer an der Strecke lieben Eskapaden. Sie reichten Flaschen über das Sperrgitter, klatschten, als Gledhill torkelnd den Stab nahm. Zwischen den Trinkpausen schob er sich noch an zwei Konkurrenten vorbei. „Ich hab niemanden behindert“, beteuert er. Dann kotzte er ins Schneetreiben.

Die Norwegische Skiföderation schwieg zunächst. Offiziell gibt es keine Regel gegen Alkohol während des Wettkampfs – nur gegen Doping. Gledhill hätte theoretisch bis 2030 in Norwegen starten können, doch ohne finanzielle Garantie verlängert das Amt kein Visum. Die bürokratische Klinge fällt schneller als eine Departure-Lounge.

Ein system, das talente aussiebt

Ein system, das talente aussiebt

Sein Coach in Lillehammer bestätigt: „Gabriel trainiert 700 Stunden im Jahr. Er lebt von Preisgeld und Nebenjobs. Für das Einwanderungsamt zählt nur die Jahreslohnmarke von umgerechnet 28 000 Euro.“ Darunter liegt Gledhill, obwohl er in der britischen Nationalmannschaft steht. Die Frist zur Berufung endet in vier Wochen. Er plant keine. „Ich kann nicht zaubern“, sagt er.

Die Szene verliert damit einen Quereinsteiger, der mit bloßen Mitteln gegen die Besten lief. Seine 67. Rangliste mag bescheiden klingen, doch wer einmal betrunken auf Skiern eine Steigung hochkam, weiß: Das ist Sport auf Rändern, nicht in der Mitte.

Gledhill fliegt nächste Woche zurück nach Leeds. Die Ausrüstung bleibt in Koffern. Vor dem Gate trägt er noch sein Startnummer-Bändchen wie ein Souvenir. „Ich wollte zeigen, dass man auch mit 12 Bier im Blut das Ziel erreichen kann“, sagt er trocken. „Aber ohne norwegische Loipe wird’s eng.“