Bern und biel zittern ums weiterkommen: play-in-drama beginnt

Donnerstagabend, 19.30 Uhr, PostFinance-Arena: Wenn die rote Anzeigetafel aufleuchtet, steht für den SC Bern und den EHC Biel mehr als nur ein Spiel auf dem Eis – es geht ums nackte Überleben in einer Saison, die bei beiden Klubs schon viel zu viele Risse zeigt. Die Play-ins sind keine nette Vorspeise, sondern ein Vollkontakt-K.o.-Duell über 120 Minuten Tore, das am Samstag im Seeland seinen Höhepunkt finden wird.

Die ausgangslage: nummer neun und zehn, beide mit kater

Bern schlurfte mit 76 Punkten über die Ziellinie, Biel blieb bei 74 hängen. Für die National League ist das ein Armutszeugnis – zwei Traditionsklubs, die gemeinsam 13 Spiele vor der internationalen Pause noch für die direkte Qualifikation lagen, müssen sich nun gegenseitig die Köpfe einschlagen. Wer weiterkommt, darf gegen den Verlierer aus Rapperswil gegen Zug noch einmal um den letzten Viertelfinal-Platz betteln. Verliert er, ist die Saison vorbei – und die Sommerplanung beginnt mit einem Heer an Fragezeichen.

Die saisonbilanz spricht bernisch – aber nur auf dem papier

Die saisonbilanz spricht bernisch – aber nur auf dem papier

Vier Mal trafen sich die Rivalen, drei Mal jubelten die Mutzen. Klingt nach Vorteil? Trügerisch. Die 6:2-Kanadische Winterwoche gegen Biel war ein Ausreißer in einer Serie, in der Bern offensiv stolperte. Die letzte Partie im Februar verloren die Berner 2:3 – und das mit einem Victor Ejdsell, der seit der Olympia-Pause nur noch ein einziges Tor erzielt hat. Wenn dein Topscorer mit 29 Zählern plötzlich wie angewachsen im Slot steht, nützt dir auch ein 3:1-Serienvorteil wenig.

Die schlüsselduelle, die kein statistik-excel erwischt

Die schlüsselduelle, die kein statistik-excel erwischt

Adam Reideborn gegen Harri Säteri – ein Torhüter-Duell, das kein Sponsor in seinen Social-Media-Clips veredelt. Reideborn rettete Bern in der Hauptrunde mit 91,4 % Fangquote das Leben, doch seine Play-off-Bilanz der letzten beiden Jahre liest sich wie ein Horrorszenario: 85,6 %, dann 90,7 %. Säteri hingegen schwamm in dieser Saison erstmals unter der 90-Prozent-Marke. Beide Keeper wissen: Wer am Samstagabend zuern den Schwenker kriegt, wird im Sommer nicht mehr viel zu sagen haben.

Romain Loeffel gegen Fabio Hofer – ein Duell zwischen Abwehr-Anchor und Slot-Kanone. Loeffel muss Biels Top-Torjäger (19 Treffer) ausblenden, gleichzeitig die Powerplay-Blau mobilisieren. Hofer wiederum schielt auf die Riesenlücke zwischen Berns drittem und viertem Verteidiger-Paar, die in den letzten Wochen immer größer wurde. Wenn Hofer früh trifft, schmilzt die Berner Deckung schneller als das Eis im April.

Der faktor heimrecht: ein vorteil, der sich in der overtime verflüchtigen kann

Der faktor heimrecht: ein vorteil, der sich in der overtime verflüchtigen kann

Das Rückspiel findet in Biel statt – und genau dort liegt die Bombe. Die Seeländer sind in der Tissot-Arena 18-9-2, eine der besten Heimbilanz der Liga. Bern dagegen verlor in der Fremde 15 Mal, davon acht in der Verlängerung. Die Statistik sagt: Erstes Tor entscheidet. Fällt es in der 59. Minute, stehen die Chancen 50:50. Fällt es in der 72., wird es zur Lotterie – und Biel hat in dieser Saison bereits dreimal in Overtime gewonnen, Bern nur einmal.

Prognose: bern zittert, biel träumt – am ende zählt ein einzeller schuss

Prognose: bern zittert, biel träumt – am ende zählt ein einzeller schuss

Die Serie wird eng, das weiß selbst das Büro-Küken im Wankdorf. Bern bringt zwar den formell besseren Kader, aber Ejdsells Schussarm schläft noch, und Reideborn kann sich in den Play-ins schnell in einen meme-würdigen Hasen verwandeln. Biel hat nichts zu verlieren – und genau das macht die Seeländer brandgefährlich. Die Prognose: 4:4 nach zwei Spielen, in Overtime entscheidet ein Abpraller von der Bande. Bern gewinnt 3:2, weil Loeffel in Minute 78 einen Block so hart auf die Scheibe knallt, dass selbst der Puck pfeift. Das rettet die Saison – und die Jobs von Trainer Heinz Ehlers und Sportchef Martin Steinegger. Aber nur bis zum Viertelfinal gegen Davos, wo dann wirklich Schluss ist.