Belgien gegen senegal: zwei stürmer, ein schicksal – lukaku gegen mané
Seattle wird zum Schauplatz eines Duells, das weit über das Achtelfinale hinausweist. Belgien, vier Jahre lang die undisputierte Nummer eins im FIFA-Ranking, trifft auf einen Senegal, der zwischen afrikanischem Triumph und bürokratischem Desaster hin- und hergerissen wurde. Beide Nationen tragen Lasten. Beide setzen auf einen Mann, der Tore macht – oder zumindest dafür sorgt.
Die roten teufel: goldene generation am abgrund
Rudi Garcia hat einen Job, für den man ihn nicht beneidet. Von der Mannschaft, die 2018 in Russland Bronze holte, ist wenig geblieben. Die Synthese zwischen den letzten Veteranen der Golden Generation und den Nachwuchskräften, auf die Belgien seine Zukunft baut, klappt nur halbherzig. Gruppensieg ja – aber aufgrund der Tordifferenz gegen Ägypten, nicht aufgrund dominanter Leistungen. Das 0:0 gegen den Iran war erschreckend. Erst gegen Neuseeland zeigte das Team, wozu es fähig sein könnte.
Romelu Lukaku ist der Schlüssel. Und er weiß es. In den wenigen Minuten, die er bisher bekam, provozierte er ein Eigentor gegen Ägypten, traf selbst und legte gegen Neuseeland noch einen Assist nach. Das sind keine Statistiken für Statistiken. Das ist ein Stürmer, der nach einer verletzungsgeplagten Saison bei Chelsea etwas beweisen will – sich selbst, seiner Kritikern, vielleicht auch dem Markt.

Die löwen der teranga: zwischen cup-sieg und rechtsstreit
Währenddessen kämpft der Senegal mit ganz anderen Dämonen. Der Afrika-Cup-Sieg, den die Mannschaft auf dem Platz errang, wurde ihr von der CAF wieder entrissen. Der Rechtsstreit läuft noch. Pape Thiaw musste sein Team unter diesen Umständen auf ein Turnier vorbereiten, bei dem es erst dank eines 4:0 gegen den Irak als eine der besten Dritten weiterkam.
Aber Thiaw hat Sadio Mané. Und Mané hat noch etwas zu geben. Mit 34 ist der Sprint in der Außenbahn nicht mehr der von Liverpool-Zeiten. Gegen Norwegen bewies er aber, dass er als Vorbereiter nach wie vor zur Weltspitze gehört. Nach der Meisterschaft mit Cristiano Ronaldo in Saudi-Arabien will er die Teranga-Löwen mindestens ins Viertelfinale führen – das beste WM-Ergebnis der Geschichte wiederholen, das 2002 erreicht wurde.

Was die experten sagen
Die Analysten von Sisal Tipster setzen auf Belgien. Ihr Modell sieht den Turnierfortschritt der Roten Teufel voraus, kombiniert mit drei bis vier Toren im Spiel. Das klingt optimistisch, aber nicht absurd. Lukakus Präsenz im Strafraum verändert die Geometrie jeder Abwehr.
Für den Senegal spricht die Mannschaftsstruktur. Koulibaly führt die Defensive, Mané den Angriff. Das ist keine Bauchgefühl-Elf, sondern eine Einheit, die zusammengewachsen ist – trotz oder vielleicht gerade wegen des äußeren Drucks.
Seattle wird entscheiden, welche Geschichte weitererzählt werden darf. Die eines belgischen Aufbruchs oder die eines senegalesischen Durchhaltevermögens. Beide Drehbücher haben denselben Protagonisten: einen Stürmer, der in der Dämmerung seiner Karriere noch einmal alles riskiert.
