Belauste, der erste kapitän spaniens: vom „furia“-erfinder zum mexikanischen exil

Am 29. August 1920 brüllte José María Belausteguigoitia Landaluce in Antwerpen „¡A mí, Sabino, que los arrollo!“ – und wurde zur lebenden Legende. Mit diesen Worten jagte er zwei schwedische Verteidiger davon, prägte den Begriff „Furia española“ und führte als erster Kapitän die spanische Nationalmannschaft ins internationale Zeitalter. Fast niemand erinnert sich mehr an das 1:0 gegen Dänemark, aber jeder kennt den Mythos des 1,90 m-Hünen mit dem Knotentuch.

Der koloss, der athletic dominierte und spanien erfand

Belauste stieg 1905 beim Athletic Club Bilbao ein, spielte 19 Saisons, gewann sieben Mal die Copa del Rey und ebenso oft die Regionalmeisterschaft. Seine Statistik liest sich wie ein Stück Stahlguss: 34 Pflichtspieltore aus dem defensiven Mittelfeld, unzählige Gegner, die nach Duellen mit ihm den Rasen mit gebrochenen Rippen verließen. Am 17. Februar 1918 jagte ihn in Atotxa sogar die Mutter des Rivalen Arrate mit einer Espadrille – weil ihr Sohn wieder einmal von Belauste umgerannt worden war.

Doch hinter der Fußballmaske lauerte ein Intellektueller. In Salamanca promovierte er in Jura, publizierte über die Resozialisierung von Straftätern und führte auf der Gran Vía ein Anwaltsbüro. Mit 21 war er bereits im PNV, später in der Acción Nacionalista Vasca. 1918 verhaftete ihn die Guardia Civil in Miravalles – nicht wegen „¡Muera España!“, wie die Legende behauptet, sondern wegen eines lautstarken „¡Gora Euzkadi Libre!“ aus dem Zugfenster.

Vom nationalsymbol zum vergessenen exilanten

Vom nationalsymbol zum vergessenen exilanten

Als 1936 die Kanonen über Spanien donnerten, kannte Belauste die Antwort: er floh über die Pyrenäen, segelte von La Rochelle nach Havanna und landete schließlich in Mexiko-Stadt. Dort, im Panteón Español, liegt heute sein Grab – ein schlichtes Kreuz zwischen Palmen, das kaum ein Tourist findet. 1955 kehrte er kurz zurück in die Heimat, „aber das Land, das er mit seiner Stimme erfunden hatte, ertrug ihn nicht mehr“, sagte ein Vereinskamerad.

Die FIFA-Statistik verzeichnet 15 Länderspiele, ein Tor, eine rote Karte – und eine ewige Erfindung: „Furia“. Wer heute die Alhóndiga in Bilbao entlangläuft, hört noch das Echo von Belaustes Stiefeln. Die Nachwelt diskutiert über Tiki-Taka, aber die Wurzel der spanischen Selbstüberzeugung trägt immer noch das Knotentuch eines Mannes, der seine eigene Geschichte erfand – und am Ende von ihr verschluckt wurde.