„Beinhart“ werner lorant: ein fußball-original geht nicht verloren

Vor einem Jahr verstarb Werner „Beinhart“ Lorant, ein Name, der für kompromisslose Fußballer-Persönlichkeit und eine Ära des deutschen Fußballs steht, in der starke Charaktere das Spielfeld prägten. Sein Tod hinterließ eine Lücke, doch das Echo seiner Energie und seines unbeugsamen Willens hallt noch immer wider.

Von welver bis zur bundesliga: eine ungewöhnliche karriere

Lorant war kein Mann, der sich mit Konventionen zufrieden gab. Aufgewachsen im westfälischen Welver, begann er seine Laufbahn nicht als Fußballstar, sondern als Maler und Anstreicher. Der Sprung in den Profifußball kam spät, doch als Spieler bei Eintracht Frankfurt feierte er Erfolge wie den UEFA-Cup und den DFB-Pokal. Seine kompromisslose Spielweise, untermauert durch 67 Gelbe Karten und zwei Platzverweise in 325 Bundesliga-Einsätzen, verriet bereits den Trainer, der in ihm steckte. Einem Jupp Kapellmann vom FC Bayern zufolge, verursachte er sogar eine Verletzung, die medizinische Behandlung erforderte – ein Beweis für seine unnachgiebige Art.

Die löwenjahre: 1860 münchens aufstieg

Die löwenjahre: 1860 münchens aufstieg

Doch Lorants eigentliches Vermächtnis schrieb er bei 1860 München. Zwischen 1992 und 2001 verwandelte er den Traditionsklub von der Drittklassigkeit in einen Bundesligisten, der sogar an der Qualifikation für die Champions League teilnahm. Der Höhepunkt dieser Ära war das Duell mit Leeds United im Jahr 2000/01 – ein Moment, der ohne Lorants unbändige Energie und sein unerschütterliches Selbstvertrauen kaum vorstellbar gewesen wäre.

Seine Teams begeisterten mit Laufstärke und Körperkraft, und Gegner verzweifelten an ihrer Entschlossenheit. Lorant selbst, ein Meister der provokanten Äußerung, verkörperte diesen Geist. Sein berühmter Satz: „Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht“, wurde zu einem Symbol für seine unnachgiebige Haltung.

Ein schwieriger mensch, ein großer trainer

Ein schwieriger mensch, ein großer trainer

Karl-Heinz Wildmoser, sein langjähriger Weggefährte und Präsident bei 1860, beschrieb Lorant treffend als „sehr anstrengenden Menschen“. Ihre Zusammenarbeit war geprägt von ständigen Auseinandersetzungen, die jedoch paradoxerweise zu gemeinsamen Erfolgen führten. Diese Dynamik, so explosiv sie auch war, ist im modernen Fußball kaum noch anzutreffen.

Der Kontrast zwischen Lorants Stärke und seiner späteren Verletzlichkeit, wie sie sich in seinem Abschied vom Verein nach der deutlichen 1:5-Niederlage gegen den FC Bayern zeigte, macht ihn zu einer faszinierenden Figur. Nach seiner Zeit bei den Löwen führte ihn seine Reise durch den internationalen Fußball, von Fenerbahce Istanbul bis Kasimpasa Spor Kulübü, wo er zwar nicht mehr an die Erfolge in München anknüpfen konnte, aber stets seinen Prinzipien treu blieb: Disziplin, Ehrgeiz und eine klare Vorstellung vom Fußball.

Lorant war kein glattgebügelter Sympathieträger, sondern ein Mann, der seine Meinung sagte, auch wenn es unbequem war. Er hinterließ eine Ära, die in der heutigen Fußballwelt mit glattpolierten Marketingstrategien und taktischer Finesse kaum noch Platz findet.

Sein Vermächtnis lebt weiter – in den Erinnerungen der Fans, die ihn als das „Beinhart“-Genie feierten, und in der Erkenntnis, dass der Fußball manchmal eine raue Seele braucht, um wirklich lebendig zu werden.