Bedin packt aus: pelé war ein gott, rivera ein film im kopf
Gianfranco Bedin, 79, saß in der Kellergarage des San-Siro, zog die Badesandalen aus und plauderte, als wäre es gestern gewesen. Statt Anekdoten aus dem Altersheim lieferte der ehemalige Abräumer der Grande Inter ein 90-minütiges Tor der Erinnerung – und erklärte, warum Nicolo Barella heute dieselbe „Tigna“ hat wie er damals.
Wie ein feldwebel den ego der nummer 10 zerlegte
„Der Brasilianer war ein Gott, hinter ihm nur Eusebio“, sagt Bedin und schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch, sodass das Prosecco-Glas zittert. „Aber auch Rivera, Zigoni, Bulgarelli – ich holte sie alle schon in ihrer Hälfte ab. Manchmal habe ich ihnen auf Venezianisch zugeredet, damit sie sich verwirrt fühlten.‘Bedo, no stame legnare‘, sagte Zigoni, und wir lachten beide, obwohl wir gerade miteinander rangen.“
Die Zahlen sprechen für sich: Seit 1962 lief Bedin 289 Mal für die Nerazzurri auf, gewann zwei Europapokale der Landesmeister, zwei Intercontinental Cups und drei Meisterschaften. Doch die Statistik interessiert ihn weniger als die Geschichten dazwischen. „Pelé lief los, ich rutschte, er bremste, ich flog ins Fotogetümmel. Danach sagte der Fotograf: ‚Bedo, Pelé l’ha ciapà el palo.‘ Ich: ‚Meno male!‘ So nah war ich einem Gott – und landete beim Fotografen.“

Der stahl des mauthausen-viertels
Keiner seiner Gegner weiß, dass Bedin seine ersten 14 Jahre in einer Baracke verbrachte, die die Nachbarn „Mauthausen“ nannten – ohne fließend Wasser, mit Wellblechdach. „Wenn du nachts Pinkeln musstest, liefst du raus zum Feld. Das macht dich hart. Herrera sagte: ‚Bedo, tu devi correre di più.‘ Und ich rannte. Denn ich wollte nie wieder in eine Baracke zurück.“
1965 hob er den Pokal der Pokale in den Mailänder Nachthimmel, 20 Jahre alt, die Hände zitterten. „Ich dachte: Vielleicht bin ich jetzt auch ein Champion. War ich nicht. Aber ich war dabei.“

Warum barella der neue alte bedin ist
Heute sitzt Bedin samstags um 15:00 Uhr auf der Tribüne, Block 11, Reihe 8, ein Notizblock auf den Knien. „Barellino – ich nenne ihn so – hat dieselbe Wut im Bauch. Er spielt mit offenem Herzen, ohne Luxus. Das ist keine Kopie, das ist ein Seelenverwandter.“
Ein einziger Fehlgriff kratzt noch: Thiago Silva. „Ich hatte ihn auf dem Zettel, der AC Mailand hat ihn uns weggeschnappt. Van der Meyde? Talent, aber die Kopfhörer saßen fester als die Kopfhörer im Kopf.“
Ob Inter jetzt die Meisterschaft holt? Bedin macht eine Faust, dann eine abwehrende Hand. „Ich werde abergläubisch. Aber ja, sie sind die Stärksten. Nur: In der Champions League siehst du, wo der Schuh drückt. Noch fehlt ein Zahnrad.“
Er steht auf, grüßt den Bademeister mit „Ciao, Bepi“ und verschwindet in Richtung Therme. Der Echoball im Hallenbad erinnert an ein altes Fieber. „Ich bin ein glücklicher Mann“, ruft er zurück. „Von der Baracke bis zum Pokal – mehr geht nicht.“
