Beckenbauers erster auftritt als bayern-trainer: ein frostiger einstand vor 32 jahren

Ein eisiger Wind pfiff am 13. Februar 1994 über das Olympia-Stadion in München. Es war ein Sonntagabend, und die Stimmung an der Säbener Straße war alles andere als weihnachtlich. Der FC Bayern, damals Tabellendritter und aus allen Wettbewerben ausgeschieden, befand sich in einer tiefen Krise. Ein Umbruch stand bevor, und die deutsche Fußball-Ikone Franz Beckenbauer sollte der Retter in der Not sein.

Der fall ribbeck und beckenbauers zögern

Die Vorgänger von Beckenbauer, Erich Ribbeck, hatte den Kredit des Vorstands längst aufgebraucht. Gerüchte über interne Querelen und einen aufgebrachten Jan Wouters kursierten in den Medien. Sogar Mehmet Scholl soll Ribbeck im Training einen Ball gegen den Kopf geschossen haben, so die Schlagzeilen. Uli Hoeneß handelte schnell und winkte den „Kaiser“ an, die Mannschaft zu übernehmen. Beckenbauer, damals Vize-Präsident, zögerte jedoch. Seine Freundschaft zu Ribbeck und die Erinnerung an seine eigene Amtszeit als Trainer spielten ihm zu schaffen. „Ich komme aber nur, wenn Erich keine Lust mehr hat“, soll er gesagt haben.

Die Verhandlungen waren zäh, aber am Ende überzeugten die Bayern Ribbeck mit einem finanziellen Angebot, das er nicht ablehnen konnte: die volle Meisterprämie und Gehalt bis Vertragsende. Hoeneß kommentierte trocken: „Der Erich hat ein Geschäft gemacht, da kann ich nur sagen: wenn ich noch mal auf die Welt komme, möchte ich entweder Hund bei Hoeneß oder Trainer bei Bayern werden.“

Ein neustart mit matthäus als kapitän

Ein neustart mit matthäus als kapitän

Am Dreikönigstag betrat Beckenbauer den Trainingsplatz, umringt von Fans und Journalisten. Sofort sorgte er für Aufsehen: „Es ist mir selbst ein vollkommenes Rätsel, warum ich mir diesen Job antue.“ Er änderte das Training, verlängerte es um eine Stunde und entthronte Raimond Aumann als Kapitän, an seine Stelle rückte Lothar Matthäus – eine Hommage an die erfolgreiche WM 1990.

Der erste Test stand an: das Spiel gegen den VfB Stuttgart, ein Duell der angeschlagenen Teams. Beide Vereine hatten in den letzten Wochen ihre Trainer gewechselt. Jürgen Röber, der neue Coach der Stuttgarter, war sich sicher: „Ich würde ihm gern seinen Einstand versalzen.“

Ein frostiger abend und eine bittere niederlage

Ein frostiger abend und eine bittere niederlage

Das Spiel wurde live auf Sat.1 übertragen, was den Besuchern aufgrund des Sonntagabendtermin und der eisigen Temperaturen (minus sieben Grad) die Entscheidung erschwerte. Nur 34.000 Zuschauer fanden sich im Stadion ein. Die Bayern wirkten verunsichert, verkrampft in der Erwartungshaltung, dem neuen Trainer alles richtig zu machen. Guido Buchwald, einst WM-Held unter Beckenbauer, brachte den VfB in Führung, gefolgt von Fritz Walter und Andreas Buck, die die Partie entschieden. <Das Ergebnis: 3:1 für Stuttgart.

„Der VfB war einfach besser“, konstatierte Beckenbauer nach dem Spiel. „Sie haben den Druck gemacht, den wir uns eigentlich vorgenommen hatten.“ Lothar Matthäus mutmaßte: „Einige waren verkrampft, weil sie es dem neuen Trainer besonders recht machen wollten.“ Kalle Rummenigge schwor sich: „Ab sofort muss Schluss sein mit Sonntagsspielen.“

Ein meistertitel als happy end

Ein meistertitel als happy end

Trotz des holprigen Starts gelang es Beckenbauer, die Mannschaft zu stabilisieren. Toni Schumacher, der damalige Torwart-Trainer, erinnerte sich: „Der Franz ist ein Wahnsinniger. Dauernd sehe ich den mit Dutzenden von Spiel-Videos in dunklen Räumen hocken. Er ist bienenfleißig.“ Die Bayern gewannen neun ihrer verbleibenden 13 Spiele und sicherten sich am 7. Mai 1994 den Meistertitel. Ein Happy End für Beckenbauers Intermezzo als Bayern-Trainer, gekrönt von einem Weizenbierglas, das er im ZDF Sportstudio in die Torwand traf. Ein Kapitel, das bis heute in den Annalen des deutschen Fußballs geschrieben steht.