Bayern-juwel karl rückt auf, el mala muss bei u21 nachlegen
Lennart Karl spielt den Aufsteiger, Said El Mala den Dauerbrenner. Während der 19-jährige Bayern-Mittelfeldstratege bei Julian Nagelsmanns A-Elf vorprobe und womöglich schon im März WM-Luft schnuppert, bleibt der 1. FC-Kölner Flügelflitzer erneut in der U21-Falle. Antonio Di Salvo benötigt El Mala als Turbo gegen Nordirland und Griechenland, sonst droht das EM-Aus – und damit auch das Ende des Olympia-Traums für Los Angeles 2028.
Di salvos risiko-kalkül: erfahrung vor experiment
Der Bundestrainer erklärt die Trennung der Wege nüchtern: „Lennart hat sich auf Champions-League-Niveau bewiesen, Said muss bei uns noch die letzte Konstanz finden.“ Drei Tore in zwei November-Spielen hat Karl in Leverkusen und Glasgow hinterlassen, El Mala lieferte nur Auftritte, keine Ausrufezeichen. Deshalb bleibt er jetzt Beweismittel Nummer eins in Braunschweig und Athen.
Die Personalie ist brisant. Der EM-Titel 2027 ist nur dem Gruppenersten sicher, Deutschland liegt drei Punkte hinter Griechenland. Verliert die DFB-Auswahl am Dienstag in Athen, kann selbst ein Playoff-Platz ins Wanken geraten. El Mala trägt also nicht nur die Kugel, sondern auch die Verantwortung für ein ganzes Jahrgangsprojekt.

Neue gesichter, alte lücken
Di Salvo stockt den Kader mit drei Debütanten auf: Karim Coulibaly liefert von der Weser die nötige Zweikampfhärte, Max Finkgräfe bringt aus Leipzig die Außenbahn-Explosivität, Cajetan Lenz soll als Box-to-Box-Renner aus Bochum die Lücke schließen, die Paul Wanner hinterlassen hat. Der ehemalige Bayern-Jungstar wechselt den Verband und steht kurz vor seinem ersten ÖFB-Einsatz – ein Schlag ins Gesicht des DFB, der ihn jahrelang als Hoffnungsträger bis zur U20 hochgezüchtet hatte.
Rückkehrer Linus Gechter und Brajan Gruda sollen Stabilität und Kreativität vereinen. Doch die Frage bleibt: Wer schießt die Tore, wenn Weiper mal nicht trifft? Dzenan Pejcinovic liefert in Wolfsburg Ansätze, Nicolò Tresoldi kommt aus Brügge mit Selbstvertrauen, aber ohne Zweitliga-Alltag. Das Zentrum ist jung, die Flügel sind schnell, die Nerven liegen blank.
Am Freitagabend in Braunschweig werden 20.000 Zuschauer erwartet, die Griechen haben bereits 30.000 Tickets für Athen verkauft. Die U21 ist längst kein Nebenschauplatz mehr, sie ist die Feuerprobe für einen Verband, der mit der A-Nationalmannselbst in der Identitätskrise steckt. Wenn El Mala dort nicht liefert, wird nicht nur ein Turnier verpasst, sondern auch ein Jahrzehnt verspielt.
Wer jetzt denkt, es gehe nur um Jugendfußball, hat die Aufstellung nicht verstanden. Es geht um Millionen-Transfers, um Sponsorenverträge, um das Stolpern oder Stürmen Richtung Olympiaplatz. Karl darf bei Nagelsmann träumen, El Mala muss bei Di Salvo wach bleiben. Die U21 ist kein Kindergarten, sie ist der Vorbereitungsraum für den wahren Sportwahnsinn. Und der tickt in Serbien 2027 – wenn sie denn hinkommt.
