Bayern-jahrgang 2009: 16-jähriger prescott droht gegen atalanta zum rekord-keeper aufzurücken

Leonard Prescott hat den Sprung vom Schulhof an den Rand des Rasens geschafft – und könnte am Mittwoch gegen Atalanta Bergamo mit 16 Jahren und 176 Tagen zum jüngsten Torwart der Bayern-Geschichte avancieren. Drei verletzte Profis, ein angeschlagener Regionalliga-Keeper, ein Fragezeichen namens Urbig – und plötzlich steht der 1,96-Meter-Hüne der U19 im Fokus der Königsklasse.

Die verletzten-kaskade im tor der bayern

Manuel Neuer zieht sich einen Muskelfaserriss zu, Jonas Urbig kassiert gegen Bergamo eine Gehirnerschütterung, Sven Ulreich reißt sich das Muskelbündel – und Leon Klanac, eigentlich Nummer vier, humpelt mit Oberschenkelproblemen durch die Regionalliga. Die Folge: Ein 16-Jähriger, der vor zwei Jahren noch für Union Berlins Nachwacht das Tor hütete, rückt in den Profi-Kader. Intern gilt Prescott als klarer Favorit vor dem gleichaltrigen Jannis Bärtl, weil seine Reflexe laut Co-Trainer Tom Starke „einen Mix aus Neuer und Sommer“ erinnern.

Die medizinische Abteilung stuft Urbigs Einsatzwahrscheinlichkeit auf 50:50, doch ein Einsatz nur sieben Tage nach dem Schädel-Trauma wäre ein Kalkül mit Risiko. Am Montag fällt die endgültige Entscheidung – und sollte der 22-Jährige ausfallen, winkt Prescott nicht nur das Champions-League-Debüt, sondern auch der Sprung auf Platz acht der jüngsten Spieler der Wettbewerbsgeschichte.

Rekordjagd mit us-pass und berliner seele

Rekordjagd mit us-pass und berliner seele

Geboren in New York, aufgewachsen in Kreuzberg, lizenziert für die US-amerikanische und deutsche U17 – Prescott bringt beide Pässe mit und nutzt sie, um sich alle Türen offen zu halten. In 16 U19-Einsätzen dieser Saison kassierte er 30 Gegentore, blieb ein Mal ohne Gegentreffer und glänzte mit 72-prozentiger Effizienz im Elfmeter-Krimi gegen Leipzig. Scouts von Ajax und Benfica saßen bereits in der Haupttribüne des Grünwalder Stadions, sein Vertrag läuft noch bis 2027, die Ablöse würde bei vorzeitigem Wechsel in den siebenstelligen Bereich klettern.

Sollte er am Mittwoch tatsächlich auflaufen, würde er Sven Scheuers 35 Jahre alten Rektor vom Europapokal-Sieg gegen Glasgow Rangers (18 Jahre, 237 Tage) pulverisieren. Die Atalanta-Stürmer haben in dieser Saison 23 Tore in der Serie A erzielt – genug, um einen Teenager zu testen, der seine Handschuhe noch in der Schule verstaut. Die Bayern-Fans auf Twitter sprechen bereits vom „Prescott-Pokal“, der U19-Coach Martin Demichelis schickt derweil täglich Whatsapp-Sprachnachrichten: „Lenny, denk an deine Fußabdrücke – groß, klar, entschlossen.“

Die Nacht von Bergamo könnte also die erste werden, in der ein Schüler den Ball aus dem Netz holt – oder die, in der ein 16-Jährer die Bayern in das Viertelffinale katapultiert. Eines ist fix: Wenn die Nordkurve am Mittwoch „Leonard“ skandiert, wird selbst der erfahrenste Presseoffizier im Medienraum schlucken. Denn dann erfindet der FC Bayern seine eigene Jugendgeschichte neu – und zwar zwischen den Pfosten.