Bayern zerlegt gladbach: 5:0-sieg und rekord-jagd geht weiter
München braucht keine 90 Minuten, um klarzumachen, wer Herr im Haus ist. Nach 34 Minuten steht es 3:0, nach 56 Minuten 5:0. Borussia Mönchengladbach, einst Fohlen-Sturm, wirkt beim 0:5 am Freitagabend wie ein verlorener Aufgalopp. Die Serie der Bayern gegen die Borussia klettert auf fünf Pflichtspiel-Siege in Folge, drei davon ohne Gegentor.
Vincent Kompany lässt seine Mannschaft mit einer Intensität pressen, als gäbe es kein Morgen. 18,92 Schüsse pro Partie – kein Bundesligist kommt auch nur annähernd an diese Zahl heran. Gladbach kassiert im Schnitt 14,38 Torschüsse – und genau diese Lücke führt zum Desaster. Die Münchner laufen 88 Tore auf dem Konto, ein Rektor-Wert nach 24 Spieltagen. Das macht 3,67 Treffer pro 90 Minuten, eine Hausnummer, die selbst die eigenen Fans zum Gähnen bringt.
Die zahlen, die gladbach in den keller schicken
Die Auswärtsbilanz der Gäste seit Anfang November: null Siege, vier Niederlagen, ein Remis. Dazu fällt Torjäger Alassane Pléa mit Muskelbündelriss aus, Ko Itakura laboriert an der Schulter. Trainer Gerardo Seoane spricht von „einem Lehrspiel auf höchstem Niveau“, doch die Worte klingen wie ein Abschiedsbrief an die Europa-League-Träume. Die 87-prozentige Sieg-Wahrscheinlichkeit für die Bayern, gerechnet aus den letzten hundert Bundesliga-Duelle, ist kein Rechenfehler – sie ist ein Spiegel der Realität.
Die Wettmärkte reagieren mit 1,14 für einen Heimsieg – ein Kurs, der selbst konservative Spieler kurz aufhorchen lässt. Kombiniert man den Sieg mit über 3,5 Toren, steigt die Quote auf 1,68. Sechs der letzten sieben Bayern-Erfolge in 2026 wären damit kassiert worden. Die Botschaft: Wer auf Torregen setzt, muss nicht lange warten. Die Münchner erzielen im eigenen Stadion durchschnittlich 2,08 Treffer schon vor dem Seitenwechsel. Für Gladbach bedeutet das: schon früh den Rückstand zu jagen – und damit die Räume für Musiala, Sané & Co. noch größer werden zu lassen.

Die taktik-frage: wer stoppt musiala?
Die Antwort lautet: momentan niemand. Der 22-Jährige traf in den letzten fünf Pflichtspielen viermal, bereitete drei weitere Tore vor. Sein Dribbling in der Zone zwischen den Sechsern zieht Gladbachs Viererkette auseinander wie einen Reißverschluss. Kompany hat ihn links außen starten lassen, dann nach innen ziehen lassen – ein Manöver, das die Borussen-Abwehr zwingt, entweder den Halbraum zu öffnen oder Sané auf der rechten Seite eins zu eins zu stellen. Beide Szenarien enden bislang mit dem Ball im Netz.
Gladbachs Mittelfeld-Raute mit Weigl und Reitz kassierte in den letzten drei Spielen sieben Gegentore nach Ballverlusten im Aufbau. Die Bayern nutzen solche Fehler gnadenlos: 41 Prozent ihrer Tore fallen nach eigenem Ballgewinn in den ersten acht Sekunden. Das ist kein Zufall, sondern Training auf Zeit. Kompany lässt seine Spieler in maximalen Sprintstößen trainieren, um den Gegner in der Umstellphase zu erwischen. Die Folge: Gladbach kommt nicht mal zum Umschalten, weil der nächste Angriff schon wieder anrollt.
Mit dem Sieg baut der Rekordmeister den Vorsprung auf Borussia Dortmund auf vierzehn Punkte aus. Die Meisterschaft ist damit längst keine Frage mehr, sondern ein formsache. Für Gladbach bedeutet die Niederlage den Abstieg auf Relegationsplatz 16. Die Saison ist noch lang, die Lücke zur Rettung nur zwei Punkte – doch wer in München so untergeht, dem fehlt das Selbstvertrauen für den Kampf gegen den Ball. Die Bayern wiederum marschieren mit dem Schwung der letzten Wochen Richtung Champions-League-K.o.-Phase. Wer sie stoppen will, braucht mehr als eine taktische Idee – er braucht ein Wunder. Momentan sieht es nicht danach aus.
