Bayern rettet ein 1:1 mit neun mann – kompany verliert die contenance

Bayern München hat am Sonntagabend in Leverkusen nicht nur zwei Tore, sondern auch zwei Spieler verloren – und trotzdem die Katastrophe abgewendet. Das 1:1 am BayArena fühlt sich für die Münchner wie ein Sieg an, für Bayer wie ein Schlag ins Gesicht.

Vincent Kompany, der belgische Chefcoach, tobte an der Seitenlinie, als Dayot Upamecano nach 83 Minuten wegen Reklamierens Gelb-Rot sah – die zweite Bayern-Expulsion binnen 45 Minuten. „Wir haben heute Charakter gezeigt“, sagte er später mit zitternder Stimme, „aber wir haben auch Glück gehabt.“

Jacksons grätsche und die var-justiz

Die Partie kippte kurz vor der Pause, als Mathys Tel bereits in der Kabine stand und Eric Maxim Choupo-Moting sich aufwärmte. Bryan Jackson, 20 Jahre alt, eigentlich Stürmer, sprang in der 43. Minute zu spät, traf Florian Wirtz am Schienbein – Platzwunde, Wiederbelebung der Leverkusener Hoffnung. Schiedsrichter Christian Dingert hatte zunächst Gelb gezückt, ließ sich aber umstimmen: Rot, direkt. „Ein Junge, der noch in der U21 spielt, bekommt hier eine Lektion in Sachen Bundesliga-Härte verpasst“, sagte Kompany. „Wir werden ihn aufbauen, keine Frage.“

Der Videobeweis griff weiter ein: Ein Treffer von Edmond Tapsoba wegen Handelfmeter zurück, ein Ausgleich von Jamal Musiala wegen Abseits im Vorlauf annulliert. Die Statistik: Drei Bayern-Tore, alle annulliert – ein Bundesliga-Rekord.

Ulreichs comeback und die 9-mann-elf

Ulreichs comeback und die 9-mann-elf

Sven Ulreich stand erstmals seit 539 Tagen wieder zwischen den Pfosten – weil Manuel Neuer einen Faserriss in der Wade hat und Jonas Urbig eine leichte Gehirnerschütterung. „Ich wusste, dass der Tag kommen würde“, sagte Ulreich, „aber nicht, dass er so turbulent wird.“ Er hielt zweimal mit den Fingerspitzen, als Amine Adli und Patrik Schick das 2:0 auf dem Fuß hatten. Die xG-Bilanz: Leverkusen 2,41 – Bayern 0,89. Die Tabelle lügt nicht, aber sie lacht manchmal.

In der 69. Minute dann der Moment, der die Bayern-Anhänger auf die Bank rutschen ließ: Robert Andrich spielt einen Querpass direkt in die Laufschuhe von Michael Olise. Der Franzose legt quer, Serge Gnabry schiebt ein. 1:1, auswärts, in Unterzahl. „Das ist der FC Bayern“, sagte Kompany, „wir glauben immer noch.“

Doch die Gerechtigkeit hatte noch ein Nachspiel. Upamecano sah Gelb-Rot, weil er nach einem Foul an Aleix García den Ball wegtrat – zweite Verwarnung. Neun Mann, plus vier Minuten Nachspielzeit. Leverkusen drängte, Hofmann traf noch – Abseids. Abpfiff. 1:1.

Bayern bleibt Tabellenführer, zwei Punkte vor Leipzig. Leverkusen liegt fünf. „Wir haben heute gesehen, dass die Liga noch lange nicht entschieden ist“, sagte Kompany. Die Saison ist erst ein Drittel alt, aber die erste Scharte ist eingerissen. Und die Bayern? Die fahren mit einem Punkt und zwei Platzverweisen nach Hause – und wissen: So etwas darf sich nicht wiederholen, wenn sie im Mai noch um die Meisterschaft spielen wollen.