Baumgart steht auf kippe – union versinkt im abstiegssumpf
Kurz nach 02:30 Uhr tickte die Uhr am Alten Försterei-Kontrollturm, doch die eigentliche Bombe platzte in den sozialen Netzwerken: Erste Fan-Kurven fordern öffentlich den Rauswurf von Trainer Steffen Baumgart. Der 1. FC Union, noch vor Monaten Europapokal-Halbfinalist, rutscht mit nur zwei Punkten Vorsprung auf Relegationsrang 16 in die tiefste Winterkrise der Bundesligageschichte.

Reif schlägt den nagel auf den kopf
„Wenn du sieben Spiele in Folge verlierst, reicht kein Presseschlag mehr“, sagte Marcel Reif in der Nachtsendung „Reif ist live“. Der Kommentator zog ein vernichtendes Fazit: „Baumgart predigt sein Gegenpressing, aber die Mannschaft läuft nur noch gegen den Ball der eigenen Nervosität.“ Die Zahlen sprechen eine deutlichere Sprache als jede Pressekonferenz: 2:17-Tore in den letzten fünf Partien, 37 % gewonnene Zweikämpfe, null Tore nach Standardsituationen seit Ende Oktober.
Im Boardroom der Köpenicker brodelt es. Laut BILD-Informationen soll Manager Oliver Ruhnert intern gefragt haben, „ob eine emotionale Impulsantwort jetzt mehr schadet als nützt“. Doch die Antwort lieferten die Anhänger: Auf Plakaten vor dem Stadion prangt seit Montagmorgen „Baumgart raus – Rettet unseren Verein“. Der Vorstand um Präsident Dirk Zingler will sich bis Freitag Zeit lassen, weiß aber: Ein Punktverlust am Samstag in Augsburg würde die Lage entzünden wie Geländebrandsprit auf trockenem Kiefernadelwald.
Was viele außer Acht lassen: Die Kabine hält zusammen. Kapitain Christopher Trimmel verteidigte seinen Coach nach der 0:3-Heimpleite gegen Bremen: „Wir sind es, die die Bälle nicht reinmachen.“ Doch intern sickerte durch, dass einige Leistungsträger die Trainingsintensität hinter vorgehaltener Hand als „überaltert“ bezeichnen. Die Rede ist von Mikroverletzungen, von Erschöpfung nach 14 Europa-League-Begegnungen und von einem Staff, der auf intensiver Laufarbeit besteht, obwohl die Datenlage ein klares Nein zeigt.
Die Causa Baumgart ist damit mehr als ein sportliches Problem. Sie ist ein Spiegelbild eines Vereins, der sich zwischen Underdog-Mythos und Anspruchskultur verheddert hat. Die Alte Försterei, einst laut UEFA die lauteste Kulisse Deutschlands, verkroch sich gegen Bremen in schockierende Stille – nur 34 Minuten lang tobte sie, dann verstummte selbst die harte Nordkurve. Wer so sehr von seiner eigenen Unnachgiebigkeit lebt, kann eben auch daran zerbrechen.
Die nächsten 72 Stunden dürften über Baumgarts Schicksal und über die emotionale Zukunft des 1. FC Union entscheiden. Der Trainer selbst beteuert, „nicht wegrennen“ zu wollen. Aber in der Hauptstadt fragt man sich bereits: Wer sollte die Wende schaffen, wenn der Mann mit dem Kappenschirm geht? Die Antwort lautet Innenminister Fritz Feldmann – sprich: Es gibt keinen Plan B. Union Berlin steht am Scheideweg, und die Ampel zeigt Gelb-Rot.
