Baumanns abschiedswinter? zweifel nagen am alpin-routinier
Garmisch-Partenkirchen – Romed Baumann, der 40-jährige Routinier im deutschen Alpinsport, scheint mit dem Gedanken zu spielen, seine Karriere zu beenden. Nach einem enttäuschenden Auftritt bei der Weltcup-Abfahrt am Samstag auf der legendären Kandahar äußerte er offen seine Zweifel an seiner Leistungsfähigkeit und Motivation.
Das endgültige aus?
Es geht, so Baumann, nicht um den fehlenden Willen, sondern um die zunehmende Schwierigkeit, sich noch einmal an seine Leistungsgrenze zu bringen. "Es ist eher die Bereitschaft, dass du in den Tunnel reinkommst, den Fokus hältst – ich weiß nicht, ob ich da nochmal reinkomme", gestand er. Dieser Kampf war in Garmisch deutlich spürbar. Baumann verfehlte beinahe ein Tor und musste den Lauf anschließend kontrolliert ausrollen lassen. Eine klare Demonstration der inneren Zerrissenheit.
Die Ernüchterung war ihm anzusehen. "Ich habe nichts riskiert, ich habe mir nicht zugetraut, dass ich da nochmal draufsteige", erklärte er. Der Versuch, noch einmal das Maximum herauszuholen, scheiterte. Trotzdem sah er einen positiven Aspekt: "Im Ziel ist er gut angekommen. Das sei mehr wert als zwei, drei Weltcup-Punkte." Eine bemerkenswerte Aussage, die viel über seine aktuelle Verfassung aussagt.
Baumann hält mit 167 Weltcup-Abfahrten einen beispiellosen Rekord. Insgesamt bestritt er 387 Weltcuprennen. Sein Debüt gab er vor 22 Jahren. Der größte Erfolg seiner Karriere war die Silbermedaille im Super-G bei der Weltmeisterschaft 2021. Zuvor hatte er bei der WM 2013 Bronze in der Super-Kombination gewonnen – einer Disziplin, die mittlerweile aus dem Programm genommen wurde. In dieser Disziplin feierte er auch seine einzigen beiden Weltcupsiege.

Wechsel zum dsv und die silbermedaille
Seit der Saison 2019/20 steht Baumann für den Deutschen Skiverband (DSV) am Start. Der Wechsel vom österreichischen zum deutschen Verband zahlte sich zwei Jahre später mit der Silbermedaille bei der WM 2021 aus. Diese Medaille markierte den Höhepunkt seiner Karriere, doch die jüngsten Entwicklungen werfen nun einen Schatten auf seine Zukunft.
Die Frage, die sich nun stellt, ist nicht, ob er noch kann, sondern ob er noch will. Die physische und mentale Belastung, die mit dem Spitzensport verbunden ist, fordern ihren Tribut. Baumanns Karriere ist geprägt von Beharrlichkeit und Leidenschaft. Doch selbst die größte Leidenschaft kann an ihre Grenzen stoßen.
Die kommenden Rennen werden zeigen, ob Baumann noch einmal den Kampf aufnehmen kann oder ob der Abschiedswinter bereits begonnen hat. Eines ist sicher: Seine Bilanz ist beeindruckend und sein Beitrag zum deutschen Alpinsport unbestritten. Die Entscheidung, wann er die Ski endgültig an den Nagel hängt, liegt nun allein bei ihm. Für einen Athleten seines Kalibers ist dies keine leichte Entscheidung, aber vielleicht die einzig richtige.
