Baum schickt augsburg mit schlagbohrer gegen stuttgarts wand
Manuel Baum baut sich vor den Mikros auf, die Stimme rauer als das Pressgitter in der WWK-Arena. „Das wird wieder ein schönes Brett für uns“, sagt er, und man spürt, wie das Wort zwischen seinen Zähnen splittert. Der VfB Stuttgart steht als Tabellenvierter vor der Tür, Champions-League-Atmosphäre inklusive. Baum hat keine Lust auf Romantik, er redet von Bohrern – und meint seine Mannschaft.
Der kapitän kehrt zurück, aber nicht ganz
Jeffrey Gouweleeuw, seit September außer Gefecht, könnte am Sonntag um 19.30 Uhr wieder ins Aufgebot rutschen. Die Innenbandverletzung ist geheilt, das Knie noch empfindlich. „Durchaus eine Option“, sagt Baum, klingt aber, als würde er gleichzeitig Holz hacken. Der FCA-Coach weiß: Ein halbfiter Kapitän reicht nicht gegen Stuttgarts Rotationsmaschine, die zwischen Dreier- und Viererkette hin- und herschaltet, als hätte Trainer Sebastian Hoeneß einen Joystick in der Hand.
Baum hat die Woche über Videoanalyse gemacht, bis die Augen brannten. Was ihm blieb, war ein Gefühl von Wand. „Unfassbar schwer zu lesen“, sagt er, „weil sie brutal flexibel sind.“ Also nimmt er die Metaperkussion mit aufs Podium: Akkubohrer? „Das reicht nicht. Wir brauchen eine Schlagbohrmaschine.“ Die Journalisten lachen, aber keiner klingt überzeugt. Die Tabelle spricht eine andere Sprache: Stuttgart 53 Punkte, Augsburg 28. Die letzte Heimniederlage gegen Mainz steckt noch in den Rippen.

Keitel und matsima fehlen, die wand steht
Chrislain Matsima und Yannick Keitel schauen von der Tribüne. Ihre Bänder sind intakt, ihre Knöchel nicht. Baum kann nicht rotieren, er muss improvisieren. Er wird wohl Ermedin Demirovic noch tiefer fallen lassen, den Bosnier als zusätzlichen Sechser nutzen, um Stuttgarts Doppel-Sechs um Stiller und Karazor zu verstopfen. Die Idee: früh stören, den Ball abzwacken, dann schnell auf die Außen umschalten. Arne Maier und Ruben Vargas sollen die Bohrer sein, die Löcher in die Schwaben-Abwehr bohren.
Die Fans wollen Spektakel, Baum will Punkte. Er redet von „Leistungsgrenze“, meint aber die psychische. Seine Mannschaft hat in dieser Saison bereits neun Spiele verloren, in denen sie in Führung lag. „Dann werden wir wieder eine Chance haben“, sagt er, und das „wieder“ klingt wie ein kleiner Seufzer. Die Chance, die er meint, ist nicht der Sieg – es ist das Überleben im Mittelfeld, wo sich Augsburg seit Jahren verbeißt.
Am Sonntag wird die Arena wieder laut werden, 30.000 Stimmen gegen die Wand. Baum hat seinen Schlagbohrer parat, Gouweleeuw sitzt in der Kabine und streckt vorsichtig das Knie. Draußen wartet Stuttgart, frisch, schnell, ohne Erbarmen. Die Uhr zeigt 19.30 Uhr, der Ball rollt, und irgendwo in der Kurve beginnt jemand zu singen. Baum weiß: Bohren kann man nur, wenn man den richtigen Punkt trifft. Den gibt es gegen Stuttgart nicht – nur 90 Minuten pure Gewalt.
